Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 14.06.2018


Schloss Ambras

Adelige Damen mit viel Geschmack

Frauen, Kunst und Macht: Schloss Ambras widmet drei kunstsinnigen Frauen aus dem Haus Habsburg seine heurige Sommerausstellung. Bestückt mit rund 100 Objekten aus großteils hauseigenen Sammlungen.

© KHMKunstkammerstück par excellence: Die kunstvoll bearbeitete Nautilus-Schale aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts.



Von Edith Schlocker

Innsbruck – Wem die hochadeligen Damen früherer Jahrhunderte vielleicht leidtun, indem sie in ihnen nur Objekte geschickter Heiratspolitik zur Vergrößerung bzw. Festigung dynastischer Machtgelüste sehen, wird in der heurigen Sommerausstellung von Schloss Ambras getröstet. Waren sie doch – jedenfalls einige von ihnen – in durchaus respektablen Machtpositionen und finanziell durch üppige Mitgiften und Apanagen so gut gepolstert, dass sie sich kostspielige Hobbys, wie es das Sammeln von Kunst ist, leisten konnten.

Wie jene drei Habsburgerinnen, die im Mittelpunkt der Ambraser Schau stehen: Margarete von Österreich (1480–1530), Maria von Ungarn (1505–1558) und Katharina von Österreich (1507–1578). Margarete dürfte ihr Faible für alles Schöne von ihrem Vater Maximilian I. geerbt haben, um mit diesem Virus offensichtlich auch ihre Nichte Maria zu infizieren, die an ihrem Hof in Mechelen aufgewachsen ist, wo sie als Statthalterin der habsburgischen Niederlande residierte. Katharina war ebenfalls eine Nichte Maximilians und saß als portugiesische Königin an der Quelle, wenn es um den Erwerb von Exotika aus der Neuen Welt ging.

Mit Dagmar Eichberger und Annemarie Jordan Gschwend lag das Machen der Schau naturgemäß in Frauenhand. Um aus den mit Leihgaben aus zahlreichen namhaften Museen und Sammlungen aufgefetteten Ambraser Beständen und jenen des Wiener Kunsthistorischen Museums rund 100 Objekte auszuwählen, die teilweise noch nie öffentlich zu sehen waren bzw. absolute Unikate sind. Wie etwa eine aus Stroh geflochtene Matte aus dem Kongo, die vor 1578 in der Sammlung der portugiesischen Königin Katharina landete, um wenige Jahre später als Dank für militärische Unterstützung durch Erzherzog Ferdinand II. in dessen Ambraser Kunst- und Wunderkammer zu gelangen.

Maria von Ungarn, gemalt um 1519 vom Tiroler Hans Maler.
- KHM

Katharinas Sammlung zeichnet sich besonders durch exquisite Kunstkammerstücke aus aller Welt aus. Da gibt es einen mit Edelsteinen besetzten goldenen Fingerhut aus Ceylon genauso wie feinstes chinesisches Porzellan, eine Axt aus Ostbrasilien, wunderbare asiatische Fächer oder einen Prunkschild aus einer Nürnberger Werkstatt, der tut, als wäre er ein türkischer.

Ganz Tochter Maximilians, war Margarete wiederum nicht nur eine mit viel Geld und Geschmack gesegnete Kunstmäzenin und Sammlerin, sondern auch eine begnadete Selbstdarstellerin. Wie der riesige Wandteppich vorführt, der in raffinierter symbolischer Verpackung Margaretes Regentschaft zelebriert. Sie ließ sich aber auch in diversen Lebensaltern malen, auf Münzen prägen oder schnitzen. Um 1518 etwa als winzige, völlig ungeschönte Porträtbüste von ihrem Hofbildhauer Conrat Meit. Margarete war aber auch eine leidenschaftliche Sammlerin so genannter „heiliger Puppen“, die liebevoll in Frauenklöstern gemacht wurden, genauso wie einzigartiger Handschriften.

Zu einem ganz besonderen Augenschmaus wird die Ambraser Schau allerdings durch die vielen Porträts der drei adeligen Damen sowie ihrer großen Verwandtschaft. Gemalt natürlich nur von den besten Künstlern ihrer Zeit. Maria von Ungarn soll allein 17 Bilder von Tizian besessen haben. Das Bildnis von ihr ist in der Schau leider nur als spätere Kopie erhalten, jenes, das der Tiroler Hans Maler von der jugendlichen Prinzessin gemalt hat, ist an Anmut aber ohnehin nicht zu toppen.