Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 14.06.2018


Tirol

Palfrader: „Habe mich für Meighörner eingesetzt“

Auf Vorschlag der Landesrätin sollte der Vertrag des Museumschefs verlängert werden, ehe es zum Bruch kam.

© Thomas BöhmLandesrätin Palfrader lässt den Vertrag von Museumsdirektor Meighörner auslaufen.



Von Markus Schramek

Innsbruck – Geschmäcker sind bekanntlich verschieden, insbesondere in kulturellen Belangen. So scheiden sich an der Causa Wolfgang Meighörner die Geister. Der Chef der fünf Museen des Landes muss mit Ablauf seines Vertrages Ende 2019 den Sessel räumen. Kritische Aussagen über den künftigen Kurs der Museen im TT-Interview waren der endgültige Auslöser dafür.

Meighörner hat sich damit den Unmut von Kulturlandesrätin Beate Palfrader (ÖVP) und von Barbara Psenner, der Obfrau des Vereins Landesmuseum Ferdinandeum, zugezogen. Ursprünglich sollte Meighörners Vertrag bis 2023, das Jahr des Pensionsantritts des heute 60-Jährigen, verlängert werden. Gleichzeitig sollte im Ferdinandeum aber schon ein zweiter Direktor mit umfassenden Kompetenzen neben Meighörner zu werken beginnen. Seine kaum verhohlene Abneigung gegenüber dieser Übergangslösung kostete den amtierenden Chef die Vertragsverlängerung.

Wolfgang Meighörner.
- TT/Julia Hammerle

Palfrader hat „gemischte Reaktionen“ auf ihre Entscheidung erhalten. „Jene aus kulturellen Kreisen waren überwiegend sehr positiv.“ Natürlich habe sie aber auch Kritik einstecken müssen.

Von einer überzogenen Reaktion Palfraders und Psenners war mancherorts die Rede und von einem unwürdigen Umgang mit einem verdienten Museumsmanager. Meighörner war seit 2007 für die fünf Museen des Landes (Ferdinandeum, Hofkirche, Volkskunstmuseum, Zeughaus und Tirol Panorama) alleinverantwortlich gewesen.

Palfrader betont, dass sie es selbst gewesen sei, die im Mai zunächst noch eine Doppelspitze forciert hatte, bei allen rechtlichen Unwägbarkeiten. „Ich habe mich für Meighörner eingesetzt. Der Verein wollte ihn nicht mehr verlängern, ich aber hatte vor, Meighörner bis zum Pensionsantritt zu behalten“, macht die Politikerin deutlich.

„Eine Zusammenarbeit zwischen Meighörner und einem neuen Chef würde nicht funktionieren“, ist Palfrader nach der jüngsten Entwicklung überzeugt. Schon bald beginnt nun die Suche nach einem neuen Alleingeschäftsführer für die Museen. Palfrader will ja, dass das Ferdinandeum in ein Haus der Kunst umgewandelt wird.

Barbara Psenner ist als Vereinsobfrau Türnachbarin Meighörners im Landesmuseum. „Wir werden professionell bis Ende 2019 zusammenarbeiten“, kündigt Psenner an. Kritik am Ausscheiden Meighörners oder Vereinsaustritte als Folge davon habe es nur ganz vereinzelt gegeben: „Es liegt ein einstimmiger, wohlüberlegter Beschluss des Vereinsvorstands vor, den Vertrag nicht zu verlängern. Lustig ist das für niemanden. Für das Museum ist es sicher gut so.“

Der Museumsverein umfasst 3000 Mitglieder und ist mächtig: Ihm gehören das Ferdinandeumsgebäude und die komplette Sammlung.

Psenner bereitet die Ausschreibung eines Alleingeschäftsführers im Juni vor. Möglichst bald soll der oder die Neue in Innsbruck andocken. Schließlich soll sich das Ferdinandeum zum 200. Geburtstag in fünf Jahren baulich und inhaltlich im neuen Gewand präsentieren.