Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 29.06.2018


Kunst

Augenfallen in der Landschaft

Michael Ziegler spaziert in der Innsbrucker Galerie Rhomberg nackt durch eine an sich menschenleere Landschaft.

© galerie rhombergFotografie auf C-Print von Michael Ziegler, 2011.Foto: Galerie Rhomberg



Innsbruck – Als der Innsbrucker Galerist Clemens Rhomberg zwei große Landschaften im Atelier von Michael Ziegler sah, fasste er spontan den Entschluss, diese zum Mittelpunkt einer Personale des scheuen Tiroler Künstlers zu machen. Dabei fühlt sich der Prandstetter-Schüler gar nicht als Landschaftsmaler, seine Sehnsucht ging allerdings schon da hin, sagt er.

Zwei Jahre lang hat er immer wieder an diesen zwei großen Leinwänden gemalt, die keine speziellen Landschaften zeigen sollen, sondern in des Malers Gehirn bei Wanderungen oder Bahnfahrten Hängengebliebenes. Gemalt auf rosa bzw. violett grundierte Leinwände, was an die Oberflächen diffus durchscheint, den immer menschenleeren Szenarien ein ganz eigenartiges, fast surreales Flair verleiht. Denn es sind letztlich mit unzähligen Augenfallen bestückte Traumlandschaften, die Ziegler malt, die sehr viel mit Stimmungen, aber auch Befindlichkeiten des Künstlers beim Akt des Malens zu tun haben.

Wie letztlich alles, was Ziegler macht, unmittelbar mit ihm zusammenhängt. Wenn er sich aus einem Gespinst von Linien klar als Wandernder herausschält oder in einer Doppelbelichtung nackt durch eine Landschaft streift. Reduziert zum zweifachen Schemen, verbunden durch eine Fast-Waagrechte, die allerdings gerade in ihrer Virtualität sehr real daherkommt.

Michael Zieglers Malerei lebt von der Farbe, durchdekliniert in zahllosen Sichten in delikaten Nuancen. (schlo)