Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 04.07.2018


Bezirk Landeck

Als ein Vorarlberger Mäzen Aufträge ins Paznaun vergab

Josef Tschavoll (1835–1885), Bürgermeister von Feldkirch, ließ Bilder von Mathias Schmid malen und engagierte das „Pöllele“ als Bergführer.

© WenzelMathias Schmid malte dieses Ölbild (110 x 127 cm) zur Piz-Buin-Besteigung 1866. In der Personengruppe: Mathias Schmid, Josef Andreas Ritter von Tschavoll sowie die Bergführer Franz Pöll und Christian Zudrell.



Von Helmut Wenzel

Ischgl, Feldkirch – „Mit diesem ehrenvollen Auftrag war das materielle Fortkommen der jungen Künstlerfamilie auf längere Zeit gesichert.“ Das ist in einem Bericht über den achtteiligen Bilderzyklus zu lesen, den der damals junge Paznauner Kunstmaler Mathias Schmid (1835–1923) in den Jahren 1869/70 schuf.

Sein Auftraggeber und Förderer war der Fabrikant Josef Andreas Ritter von Tschavoll (1835–1885) aus Feldkirch, der sich als ehrenamtlicher Bürgermeister und Mäzen einen Namen gemacht hatte. Zudem erwies sich Tschavoll als begeisterter Bergsteiger. Vom legendären Bergführer Franz Pöll aus Mathon (Gemeinde Ischgl), genannt „das Pöllele“, ließ er sich auf mehrere Gipfel führen.

Auftragsgemälde zu den Vorarlberger Volkssagen: „Predigt am Lünersee“ und...
- Wenzel

Feldkirch feiert heuer das 800-Jahr-Stadtjubiläum. In einer Ausstellung im Feld­kircher Palais Liechtenstein (zu sehen bis 25. November) werden Biografie und Verdienste des Ritters von Tschavoll dargestellt. Kaiser Franz Josef hatte ihn 1872 in den Adelsstand erhoben.

Dass der vermögende Fabrikant „Wirtschaftshilfe“ im Paznaun geleistet hat, zeigt der Ischgler Altbürgermeister und Leiter des dortigen Mathias-Schmid-Museums, Erwin Cimarolli, ergänzend zur Ausstellung auf. Er hat nicht nur Schmid-Bilder aus dem Tschavoll-Nachlass angekauft, Cimarolli verwahrt auch aufschlussreiche Teile aus dem Briefwechsel zwischen Schmid und Tschavoll.

... „Die Sennerin auf Spulers“.
- Wenzel

Nachdem sich der Unternehmer 1867 eine Luxusvilla mit großem Parkgelände auf dem Feldkircher Margarethenkapf erbauen ließ, beauftragte er Schmid im selben Jahr mit dem Bilderzyklus. Tschavoll wollte vier Gemäld­e mit Motiven aus den Vorarlberger Volkssagen sowie vier Landschaftsbilder haben. Schmid lieferte wunschgemäß, nachdem er sich mit den Volkssagen im Ländle beschäftigt hatte. Der Bote für Tirol und Vorarlberg schrieb: „Die Gemälde sind für die prachtvoll gelegene Villa des kunstsinnigen Herrn Tschavoll in Feldkirch bestimmt und stellen Szenen aus dem Sagenkreise Vorarlbergs dar. Wir begnügen uns heute zu berichten, dass über Auffassung und Komposition der Bilder nur eine Stimme der Anerkennung unter Laie­n und Fachmännern ist. Wir können Herrn Tschavoll zu dieser Akquisition nur gratulieren. Sie wird eine Zierde des Margarethenkapfes sein.“

Die Illustrierte Zeitung kommentierte: „Durch die Ausführung dieser Gemälde erwarb sich Mathias Schmid die volle Zufriedenheit seines Auftraggebers. Der Künstler hat nie vergessen, dass ihn sein edler Gönner von materiellen Sorgen enthoben hat.“

Tschavoll, der die Vorarlberger Sektion des Alpenvereins gegründet hatte, schrieb am 29. Juli 1870 an seinen Freund Mathias Schmid: „Ich habe vom 10. bis 24. Juli großartige Gletschertouren im Wallis und Piemont ausgeführt. Vollends gelungen war die Besteigung der Monte Rosa, 14.184 Fuß hoch. Mit dabei waren der Engländer Moor und der Bezirksrichter Linser in Dornbirn sowie vier Führer, worunter Pöll von Mathon.“

Das private Schmid-Museum, von der Kulturabteilung des Landes zum Museum des Monats Mai gekürt, ist auf Anfrage zu besichtigen.