Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 06.07.2018


Kunst

Kunstvoll recycelter Papiermüll

Neue und ältere „Konstrukte und Fragmente“ von Peter Blaas in der Telfer Villa Schindler.

© roman berchtoldDie Lithografie ist eine Technik, die Peter Blaas sehr liegt.Foto: Roman Berchtold



Von Edith Schlocker

Telfs – Ruth Haas, die höchst ambitionierte Leiterin des Referats Wirtschaft und Kultur der Marktgemeinde Telfs, wünscht sich, dass „Kultur in Telfs so unverzichtbar wie Wasser und Luft“ wird. Die Ansätze dazu sind gar nicht so schlecht. In Kürze werden die 36. Tiroler Volksschauspiele – bei denen Haas kräftig umrühren will, was man sie hoffentlich auch lässt – eröffnet, die Ausstellung von Peter Blaas in der Villa Schindler ist es bereits. Vor ihr, die seit zwei Jahren von der Gemeinde zur kulturellen Bespielung zur Verfügung steht, steht bis Ende August außerdem leihweise eine große – in Telfs gegossene – Skulptur von Bruno Gironcoli. Und eine Geburtstagsausstellung der anderen Art zum 70er von Felix Mitterer wird während der Volksschauspiele im Noafl­haus laufen.

Peter Blaas gehört ja nicht gerade zu den Wenig-Ausstellern, die Telfer Schau ist allerdings eine der besten, die man in letzter Zeit von dem inzwischen 76-Jährigen gesehen hat. Da hängen etwa mit kräftigen Zeichen beschriebene Wellpappen, die der Künstler aus dem Papiermüll gefischt hat. Die Formate sind hier vorgegeben, Risse, Schnitte und Löcher werden zu Vorgaben, die zum Teil des Bildkonzepts werden. Es sind spannende Extrakte der Welt, die auf diese Weise entstehen, die nie konkret verstehbar, aber intuitiv erfühlbar sind. Der Grundtenor ist archaisch, die Formen sind groß, stilisiert zu Zeichen für Existenzielles. Etwas klar architektonisch Konstruktives geht von diesen in einem sehr konzentrierten Tun gesetzten Bildfindungen aus, in denen die Linie und Fläche eindeutig über die Farbe dominieren.

Was Blaas letztlich zum malenden Grafiker macht, dem auch die Technik der Lithografie sehr liegt, wie ein Zyklus von Steindrucken zeigt, die ebenfalls zu sehen sind. Besonders schön sind allerdings die Skizzenbücher, die der Künstler in eine Vitrine gelegt hat. Vollgezeichnet mit tagebuchartigen Skizzen, die in den großen Bildern auf die eine oder andere Weise immer wieder auftauchen.