Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 17.07.2018


Kunst

Ausstellung von Branko Lenart: Abtauchen in vergangene Idyllen

Von den „Steirern“ in die Welt. Zwei Serien von Branko Lenart sind aktuell im Innsbrucker Fotoforum zu sehen.

© Fotoforum/LenartBranko Lenart ist weiterhin konsequenter Verweigerer digitaler Fotografie. Bis heute entstehen seine Werke in der Dunkelkammer.



Von Barbara Unterthurner

Innsbruck – 50 Jahre schwarz-weiß. 50 Jahre analog. 50 Jahre Silbergelatineabzüge. An diesen Konstanten hält die Fotografie von Branko Lenart fest. Einem der renommiertesten österreichischen Fotografen, der aktuell mit einer Einzelausstellung im Innsbrucker Fotoforum gastiert.

Anlässlich seines 70. Geburtstags hat Fotoforum-Leiter Rupert Larl den in der heute slowenischen Stadt Ptuj geborenen Fotografen zur ersten Einzelausstellung „Licht/Augen/Lust“ geladen. War Lenart hier bisher nur in Gruppenschauen zu sehen, werden nun zwei Serien, die aus der Sammlung des Künstlers selbst stammen, gezeigt. Zwei Serien, die neben den vielen Beständigkeiten des Fotografen auch die Entwicklung geradezu exemplarisch vor Auge führen.

Ist der erste Raum noch den „Styrians“ gewidmet, taucht der zweite Raum mit „Big Sur Real“ ein in die Jetztzeit. Konsequentes Schwarz-Weiß und eine bewusste Motivwahl verhindern jedoch eine zeitliche Verortung. Eine gewisse Nostalgi­e schwebt mit bei den „Styrians“, jener berühmten Serie von 1971–1974, mit der Lenart sich nochmals abhob von der damals in der Steiermark so umtriebigen Club­fotografie. Es sind Bilder einer für Lenart „exotischen Welt“, Porträts jener kulturell weitgehend integren Bevölkerungsschicht, die die Kriegszeit noch aus eigenen Erfahrungen nacherzählte. Bereits in dieser Zeit zeigt sich der Einfluss der „New Topographics“, einer Gruppe vornehmlich amerikanischer Fotografen, die die Landschaft nicht mehr in der Tradition eines Ansel Adams verklärte, sondern einen kritischen Ansatz verfolgten. Auch bei Lenart ist es der Mensch, der sich die Landschaft zu Eigen macht.

Noch augenscheinlicher ist dieser Ansatz in den späteren Werken aus der „Big Sur Real“-Reihe, die im Hauptraum ausgestellt wird. Das Reisen, eine Leidenschaft des Künstlers, liefert die vielfältigen Motive einer in keinem Falle romantisierenden Fotografie. Immer wieder ist es der Mensch, der die (Stadt-)Landschaft inszeniert, zufällig oder bewusst. Von der Entwicklung zeugen vor allem Lenarts Stilmittel: Nicht mehr dokumentarisch zurückhaltend, sondern zunehmend scharfe Bildschnitte und Verdichtungen schleichen sich ein, die dem Sprachspiel im Titel getreu „sur real“ anmuten. Und damit einen Gegensatz zu den „Styrians“ bilden, welche spontaner und wohl deshalb umso eindringlicher berühren.