Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 26.07.2018


Osttirol

Von Erdäpfel-Kolonnen, Strempflern und Artuffelen

Eine Ausstellung auf der Brunnenburg widmet sich der Kulturgeschichte der Kartoffel. Osttirol ist dabei mit seinen Besonderheiten vertreten.

© Gemeinfrei in: Wikimedia CommonsEin Bild von Brigitte Vogl-Lukasser aus Assling: Gedämpfte Kartoffeln kommen in einen Behälter und werden dann in den Stall getragen, um sie dort einzustampfen.Fotos: Archiv Brigitte Vogl-Lukasser, Wikimedia Commons



Von Catharina Oblasser

Dorf Tirol, Lienz — Kartoffeln gelten heute im Alpenraum als Grundnahrungsmittel. Das war nicht immer so, wie die Ausstellung „eardepfl — soni — patate" mit dazugehörigem Buch zeigt. Eröffnung ist am 28. Juli auf der Südtiroler Brunnenburg.

Dabei geht es um die Kulturgeschichte der „Eardepfl", wie sie oft genannt werden. Beleuchtet wird das historische Tirol, Osttirol ist dabei ebenso vertreten, erklärt Andreas Rauchegger. Der Kulturwissenschafter stammt aus Anras, ist Mitorganisator der Ausstellung sowie Autor und Mitherausgeber des Buches. Sein Fachgebiet war das Saatgut sowie die Verbreitung der Knolle, die auch eng mit der Raiffeisengenossenschaft Osttirol verbunden ist. „Es gibt etwa einen Beleg aus Obertilliach über die so genannten Erdäpfel-Kolonnen", schildert Rauchegger. „Zwei Männer der Genossenschaft kamen, um große Mengen Erdäpfel zu dämpfen und zur Gärung in ein Silo zu bringen. Das diente dann als Schweinefutter." Heute nicht mehr üblich, doch in Rezepten des 19. Jahrhunderts weit verbreitet ist die Bezeichnung „Artuffelen" für Kartoffel. Auch dafür fand Rauchegger Belege.

Ein weiterer Beitrag aus Osttirol stammt von der Asslinger Biologin Brigitte Vogl-Lukasser und Christian Vogl. Schwerpunkt ist das Osttiroler Kartoffelwissen. „Man erfährt darin, dass Kartoffeln nach dem Krieg unersetzlich waren und in Höhenlagen sehr gut wachsen", bietet Vogl-Lukasser Einblicke in ihren Beitrag. „Es gibt nach wie vor Bauern in Assling, die Kartoffeln anbauen, und immer mehr Gärtner, die sich daran versuchen." Präsentiert wird auch der so genannte „Strempfler", auf den die Biologin in Prägraten gestoßen ist. Das Besondere daran: Er ähnelt stark dem „Andenspaten", einem Gerät, das schon vor Jahrhunderten in Peru verwendet wurde.

Historiker Stefan Weis von Schloss Bruck ist mit seiner Arbeit „Gemüse liebt der Bauer nicht besonders" vertreten. Er widmet sich dem Nachlass von Josef Oberforcher, der als Heimatforscher viele Rezepte mit Erdäpfeln niederschrieb.

Ausstellung auf der Brunnenburg

Eröffnung. Das Landwirtschaftsmuseum Brunnenburg (Dorf Tirol bei Meran) lädt am Samstag, den 28. Juli, um 17.30 Uhr zur Ausstellungseröffnung von „eardepfl — soni — patate. Zur Kulturgeschichte der Kartoffel im Historischen Tirol und seinen Nachbarregionen". „Soni" ist übrigens die ladinische Bezeichnung für die Kartoffel. Am 29. Juli findet auf der Brunnenburg ab 10 Uhr ein Fest mit Spezialitäten rund um die Kartoffel statt.

Buch. Im Zuge der Ausstellungseröffnung wird auch das gleichnamige Buch präsentiert. Es umfasst Beiträge von 33 Autorinnen und Autoren. Beiträge mit Osttirol-Bezug stammen von Andreas Rauchegger, Brigitte Vogl-Lukasser und Stefan Weis. Künstler Lois Fasching ist mit seinem Werk „Erdäpfelacker am Steilhang" vertreten. Kaspar Holaus behandelt in dem Buch ein Interreg-Projekt, das sich mit alten lokalen Kartoffelsorten in Nord-, Ost- und Südtirol beschäftigt.

Team. Federführend bei diesem Projekt sind Siegfried de Rachewiltz als Burgherr und Initiator, Christine Ganner aus Meran und Andreas Rauchegger aus Anras.