Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 07.08.2018


Bezirk Kufstein

Museum ermöglicht einen Blick in die Spätbronzezeit

Ein Schmelzplatz aus der Spätbronzezeit übersiedelte ins Bergbau- und Hüttenmuseum Brixlegg. 4000 Kilogramm Material waren zu transportieren.

© Zwicknagl Brixleggs Bürgermeister Rudi Puecher, Markus Staudt, Gert Goldenberg von der Universität Innsbruck und Obmann­stellvertreter Hans Strobl (von links) bei der Ausgrabung aus der Spätbronzezeit.Foto: Zwicknagl



Von Walter Zwicknagl

Brixlegg – Schon im Jahre 2015 liefen Untersuchungen bei einem spätbronzezeitlichen Kupferverhüttungsplatz in Rotholz. Bereits im Jahre 2006 hatte beim Anlegen eines Forstweges Peter Schrattenthaler den Schmelzplatz oberhalb der Ruine Rottenburg entdeckt. Damals wurde eine Gewandnadel gefunden. Diese Fundstelle ließ Gert Goldenberg vom Institut für Archäologien an der Universität Innsbruck keine Ruhe. Ihm war die Region schon von früheren Untersuchungen und Grabungen bestens bekannt. Mit Unterstützung des Forschungszentrums HiMAT und des Wissenschaftsfonds FWF ging man ans Werk. Und das Ergebnis intensiver Forschungen und Grabungen bekommt man jetzt im Tirole­r Bergbau- und Hüttenmuseum Brixlegg zu sehen.

„Vier Schmelzöfen und fünf Röstbetten haben wir gefunden. Je ein Exemplar ist nun für die Nachwelt im Museum konserviert“, freuen sich Gert Goldenberg, Museums­obmann Gerold Sturmmair und sein Stellvertreter Hans Strobl. „Das Ganze hat ein Gesamtgewicht von 4000 Kilo­gramm und musste deswegen im Keller aufgebaut werden. Dass wir bereits Besuch durch den archäologischen Leiter des Bergbau­museums Bochum, des größten in Europa überhaupt, bekommen haben, ehrt uns. Denn Thomas Stöllner war mit einer Studien­gruppe vor Ort“, freut sich Sturmmair. Für den Obmann sind die neuen Schaustücke nicht einfach Exponat­e, sondern Meilensteine für das Museum. Mit Minimalkosten habe man ein Maximum erreicht.

Mit Bewunderung erwähnen Goldenberg und seine Mitarbeiter Markus Staudt und Roman Lamprecht den Umstand, dass 150 Kübel mit Originallehm von der Fundstelle ins Museum gebracht wurden. Für die Transportarbeiten war das Museumsteam verantwortlich. Zu datieren seien die Funde ins 12. und 11. Jahrhundert vor Christus, sagt Goldenberg. Auch eine 100 Kilogramm schwere Unterlegplatte, die zur Zerkleinerung der Schlacke diente, wurde angeliefert. Vom September des Vorjahres bis Juni dauerten die Arbeiten von 15 Studenten und wissenschaftlichen Experten. Und das oft bei Eisschranktemperaturen. „Das imponiert mir“, sagte auch Brixleggs Bürgermeister Rudi Puecher bei einer Visite. Schließlich stellt die Marktgemeinde Brixlegg die Lokalitäten in der alten Volksschule seit dem Jahr 1991 dem Bergbaumuseum zur Verfügung.

„Dass im Vorjahr auch die 555-jährige Geschichte der Montanwerke Brixlegg dokumentiert werden konnte, ist ein großes Plus. Jetzt haben wir auch die ‚Vorgängerindustrie‘ an Bord“, meint Sturmmair.