Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 11.09.2018


Osttirol

Lang machte Serpentin zum „Stein der Weisen“

Einen massiven Findling aus dem Virgental hat der Künstler und Bildhauer Michael Lang zu einer symbolhaften Skulptur verarbeitet.

© Blassnig ChristophMichael Langs „Stein der Weisen“ betrachten die Menschen beim Vorbeigehen am Campus in Lienz.



Von Christoph Blassnig

Virgen, Lienz – Das Land Tirol hat heimische Künstler um ihre Ideen gebeten, um auch beim Campus Lienz Kunst am Bau verwirklicht zu sehen.

Michael Lang ist Bildhauer aus Virgen, lebt und arbeitet ebendort. Seine Sprache ist jene der Formen und Farben. Mit seinem Entwurf hat er den Ideenwettbewerb des Landes für sich entscheiden können. Seit einem halben Jahr bereits begleitet seine Skulptur die Spaziergänger, Schüler und Studenten für ein kurzes Stück ihres täglichen Weges. Einen „Stein der Weisen“ hat Michael Lang geschaffen.

Gegossene Figuren spazieren auf poliertem Serpentin.
- Andre Greb

„Dieser Serpentin-Findling kommt selbst aus der Isel“, erklärt der Bildhauer, „und weil der Campus Lienz ebenfalls an der Isel gelegen ist, war der Serpentin das richtige Ausgangsmaterial für mich.“ Nach allen notwendigen behördlichen Genehmigungen hat Lang den Stein in Virgen aus der Isel entnommen. „Ein ganzes Jahr lang hat mich das Vorhaben begleitet, bis zur Fertigstellung meiner Skulptur.“ Die Arbeiten dazu waren vielfältig und anspruchsvoll, sagt der Virger Bildhauer.

Der fünf Tonnen schwere steinerne Urzeitzeuge wurde mithilfe einer Blocksäge in zwei Hälften getrennt. Diese beiden Oberflächen hat Lang poliert. An einer Holzschablone führte er eine Oberfräse mit Diamantaufsatz an den Konturen des Steines entlang. In dieser Nut ruhen Glasscheiben. „Dafür hat ein örtlicher Fachmann den Rohstoff Glas verflüssigt und in entsprechende Formen gegossen“, berichtet der Künstler vom Entstehungsprozess. Massive metallene Abstandshalter in griechischer Säulenform halten schließlich die obere Hälfte des Steines an ihrem Platz. „Die Skulptur soll symbolisieren, dass uns die Natur den Platz schenkt, um zu denken“, meint Lang. Im glas­umfassten Innenraum des Objektes spazieren 15 weibliche und männliche Personen, die sich im Areal frei zu bewegen scheinen. „Einer schaut hinaus auf die Isel, andere stehen in Beziehung und tauschen sich aus“, weiß Lang. Diese Figuren „sollen unsere Gedanken versinnbildlichen, wie sie sich frei bewegen können im Gehirn. Sie entstehen und vergehen, treten miteinander in Kontakt. Doch erst wenn wir ihnen Ausdruck verleihen, kann ihnen auch der Nächste folgen.“

Seinen „Stein der Weisen“ hat Michael Lang in der Freiluftwerkstätte der Bildhauer in Virgen geschaffen. Auf einem Tieflader wurde die Skulptur schließlich an ihren Bestimmungsort gebracht.