Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 12.09.2018


Innsbruck

Herwig Weiser auf Heimatbesuch: Knalleffekt in unfassbaren Gefilden

Erste Einzelausstellung von Herwig Weiser in seiner Heimatstadt Innsbruck in der Galerie Widauer.

© galerie widauer



Innsbruck – Es war schon lange der Wunsch von Hans Widauer, in seiner Galerie zu zeigen, was Herwig Weiser so macht. Habe er doch ein Faible für Freaks, was der ohne Sicherheitsnetz experimentell arbeitende Künstler für ihn ist, unterwegs in Ebenen, von denen nicht nur er nichts wisse. Dass da die erste Einzelausstellung Weisers in seiner alten Heimat keine „normale“ werden wird, ist nur logisch. Begegnet man hier doch einem lustvollen Switcher zwischen den Medien, einem Neugierigen auf das Alogische, letztlich Unfassbare.

Weiser, der nach einem abgebrochenen Architekturstudium an die Kölner Medienhochschule bzw. die Gerrit Rietveld Academie in Amsterdam übersiedelt ist, arbeitet gern im Team. Um seine Ins­tallation „Summoned Disambiguation“ zu realisieren, etwa mit dem Laserphysiker Wendelin Weingartner. Der für die Installation mitten in der Galerie eine große Apparatur aufgebaut hat, wie sie auch in einem Labor für experimentelle Physik stehen könnte.

Eine Kollisionsmaschine, die im galeristischen Kontext allerdings zur Skulptur mit Knalleffekt mutiert. Der aber nur von kurzer Dauer ist, sich nämlich auf die paar Minuten beschränkt, wenn im zentralen gläsernen Kolben zwei durchsichtige Materialien mit großem Druck aufeinanderprallen. Wodurch diese für kurze Zeit ihren Aggregatszustand ändern und zu einem festen Körper verklumpen, um sich bald wieder aufzulösen, ganz so, als wäre es nie anders gewesen.

In seinen Filmen und Fotoarbeiten arbeitet Weiser gerne architekturbezogen. Einige der Arbeiten, die in der Galerie Widauer zu sehen sind, sind alles andere als zufällig im legendären, 1931 für hohe sowjetische Staatsangestellte gebauten „Haus der Regierung“ in Moskau entstanden. Die Menschen, die in Weisers Arbeit hier unterwegs sind, werden zu Lichtblitzen, lesbar wohl als Metapher für das Zerbrechen einer Utopie. (schlo)




Kommentieren


Schlagworte