Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 03.10.2018


Kunst

Exkursion ins Transmediale

Ricarda Denzer erzählt in der Neuen Galerie Innsbruck eine nonverbale Geschichte.

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© tiroler künstlerschaft



Von Edith Schlocker

Innsbruck – Es ist lange her, seit man etwas von der aus Kufstein stammenden, seit fünf Jahren an der Wiener Angewandten lehrenden Ricarda Denzer in ihrer alten Heimat gesehen hat. Die im Transmedialen sich wohl fühlende 51-Jährige präsentiert sich in der Neuen Galerie als Erzählerin mit nonverbalen Mitteln. Dass diese Geschichten uneindeutig, voller Geheimnisse und Fallen sind, liegt auf der Hand. Folgt das, was Denzer erzählt, doch keiner linearen Logik, sondern ist festgemacht an unterschiedlichst aufgeladenen Versatzstücken.

Eines davon sind die Räum­e selbst bzw. die Geschichten, die die im Erdgeschoß der Innsbrucker Hofburg eingenistete Galerie erzählt. Aufgehängt an einem kleinen Bildzitat, das mit den hinter der Holzverschalung der historischen Wände versteckten barocken Fresken zu tun hat. Auf den Befund der Restauratoren der Hofburg verweist auch der spröde Titel, den Ricarda Denzer ihrer Schau gegeben hat: „Erste Fassung (Interpretation)“. Passend zur Schau, die genauso zum Schauen wie Hören animiert, aber auch zum Platz für Gespräche oder spontane Performances taugt. Letztlich den Großteil der Besucher in seiner Ratlosigkeit aber allein lässt.

Da hilft auch der ihm in die Hand gedrückte Text nicht wirklich viel, der ein Teil der Ausstellung ist. In dem es u. a. um das Robben in Minen geht, um die zur Moschee verwandelte Hagia Sophia genauso wie um die Industrielle Revolution oder um die Stimmen, die Susan Sonntag beim Schreibe­n gehört haben soll.

Und so bleibt einem nichts anderes übrig, als sich von Objekt zu Objekt zu hangeln, darauf hoffend, dass sich die Videoloops, Silikon- und Gipsformen, die Zeichnungen, Schablonen, Kartoffel- und Farbdrucke mit den Arbeiten aus Bronze und Spiegel im besten Fall zu einer ganz eigenen Geschichte verbinden.