Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 06.10.2018


Bezirk Landeck

Begnadeter Kunsthandwerker gibt Einblick in seine Vielseitigkeit

Ausstellung im Kårrnerwaldele: Engelbert Gitterle gibt Einblick in seine Vielseitigkeit.

© TTGerald Nitsche (l.) im Gespräch mit Engelbert Gitterle, der das Acrylbild „Urgbach“ und die Bronzefigur „Der horchende Franziskus“ (r.) schuf.



Landeck/Graf, Fließ – Es ist nur ein kleiner Bruchteil seiner Werke, mit denen sich Engelbert Gitterle aus Fließ/Urgen im Atelier Kårrnerwaldele in Graf bei Landeck vorstellt. Der Bogen der Ausstellung „Es geht um den Menschen“ reicht von Druckgrafiken, Tusch- und Federzeichnungen sowie Acrylgemälden bis hin zu Bronzeskulpturen. Aus technischen Gründen nicht gezeigt werden können seine meterhohen Arbeiten wie das Kriegerdenkmal in Prutz, das Gomperz-Denkmal in St. Anton oder die Freiheitsstatue „Heilige Barbara“ in Fließ. Letztere „befreit uns vom Heidentum im Christentum“, sagt der 1931 geborene Künstler zur Statue, die er 2014 anlässlich der Renovierung der Barbarakirche schuf.

„Er ist nicht nur ein begnadet vielseitiger Kunsthandwerker“, hob Gastgeber Gerald K. Nitsche hervor. „Er hat auch poetisch-literarische Adern. Meine besondere Wertschätzung gilt der Zivilcourage von Engelbert Gitterle.“ Womit er an dessen Zeit als Lehrer und Schuldirektor erinnerte. In den 70er-Jahren war es ihm mit ministerieller Hilfe aus Wien und mit Unterstützung der Eltern gelungen, das tirolweit erste Modell einer Ganztagsschule in Prutz/Ried umzusetzen. Der damalige Landesschulratspräsident LHStv. Fritz Prior, Schulinspektoren und selbst ÖVP-Lehrergewerkschafter hatten das Modell heftig kritisiert und als „kommunistisch“ bezeichnet. In der damaligen Lehrerbildungsanstalt habe er sich innerlich gewehrt, als er einen Vortrag zum Thema „Wie man ein Klassenbuch schreibt“ anhören musste, erinnert sich Gitterle. Die Ausstellung ist bis Mittwoch, 17. Oktober, zu jeder Tages- und Nachtzeit zu besichtigen – Anmeldung unter Tel. 0676/6130098. (TT)