Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 14.10.2018


Kunst

Chryseldis Hofer-Mitterer: Die Vielschichtigkeit des menschlichen Daseins

© HauserDie frühe Zeichnung (Ausschnitt) zeigt die Heimat der Künstlerin, den Stadtteil Perfuchs.



Landeck – Sie zählte zu den herausragendsten Künstlerpersönlichkeiten unseres Landes, die 1948 in Land­eck geborene und letztes Jahr auf so tragische Weise ums Leben gekommene Chryseldis Hofer-Mitterer. Mit ihrer unverkennbaren, lyrischen Bildsprache brachte sie nicht nur ihre uneingeschränkte Liebe zu ihrer Tiroler Heimat zum Ausdruck, sondern führte die von einer alles bestimmenden Natur geprägte Vielschichtigkeit des menschlichen Daseins vor Augen.

Der Berg, der See, die Gestirne, Flora und Fauna reduziert auf eine mitunter kindliche Bildsprache, führen den Betrachter in ihrer poetischen Konstellation in eine Dimension sinnlichster Seins-Wahrnehmung. Die Rolle der Frau, ebenfalls ein großes Thema von Chryseldis, führte in der künstlerischen Umsetzung eindrücklich Chryseldis’ kulturelle Identität und die Auseinandersetzung mit der Konstruktion von Weiblichkeit vor Augen. Frausein, das verpflichtete Chryseldis geradezu zu Solidarität, um das weibliche Selbstverständnis ihrer Zeit zum Ausdruck zu bringen.

Ihre Themen fand Chryseldis in ihrem Umfeld und behandelte sie aus ihrer individuell geprägten Perspektive, in der sich tiefe Glaubensempfindungen und Mythologie die Waage hielten.

In memoriam Chryseldis eröffnete das Galerie Museum Schloss Land­eck am Sonntag eine Retrospektive rund um den „Lichtweg“, eines der Schlüsselwerke der Künstlerin. In der Verehrung der Schöpfung, in der Ehrfurcht vor dem Geschaffenen habe sie versucht, den kostbaren Heiligtümern wie Christus als Baum, Wasser, Berg, Luft etc. in zwölf Bildtafeln zu huldigen.

Diese über vier Jahre entstandenen Bildtafeln wiederum waren Inspiration für die Imster Dichterin Annemarie Regensburger für eine literarische Auseinandersetzung. Berührt von der lebensbejahenden Botschaft der Bilder fand sie eine nicht weniger berührende lyrische Entsprechung.

Die Kraft der Bilder berührte aber auch den Musiker Karl Juen aus Fließ. Im Rahmen der sonntäglichen Matinee las Regensburger aus ihrem Lichtweg, und Juens musikalische Umsetzung der Thematik gab es unter der Leitung von Anna Maria Hörtnagl zu hören. Mit wunderbarer Stimme glänzte dabei Karoline Schranz.

Zu sehen ist die umfassende Schau mit zum Teil noch nie gezeigten Werken auf Schloss Landeck bis 26. Oktober, täglich von 10 bis 17 Uhr. (hau)