Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 09.11.2018


Bezirk Landeck

Schwerer Stein mit gewichtiger Botschaft in Fließ

Eine vier Tonnen schwere Steinkugel ziert derzeit den Vorplatz des Fließer Dokumentationszentrums. Sie ist Teil der Ausstellung von Werner Dobler.

© ReichleWerner Dobler und sein „beschädigter Planet“.Foto: Reichle



Von Matthias Reichle

Fließ – „Ein hundertprozentiger Imster“, erklärt Werner Dobler und meint die Steinkugel, die er vor wenigen Tagen nach Fließ gebracht hat. Die vier Tonnen schwere Skulptur ruht auf drei Holzsäulen vor dem Dokumentationszentrum – und hat eine interessante Geschichte.

Der Fels, ein Gosauer Konglomerat, wurde beim Bau des großen Imster Kreisverkehrs ausgegraben. Der formlose Stein wog damals 6,5 Tonnen. Für Dobler war er ideal. In einer spektakulären Aktion brachte er ihn mit einem Bagger zu sich nach Hause nach Wenns. „Es war eine Sommerarbeit – von Ende Juni bis Ende August. Manchmal täglich“, beschreibt er, was folgte. In langen Stunden rückte er dem Stein mit der Flex und dem Meißel auf den Leib – „es war am Limit, auch für die Gelenke“. 27 Schubkarren führte er weg. Die Gesteinsart erwies sich perfekt, das Konglomerat macht keine Risse und lässt sich jedes Steinchen „abbetteln“.

Im Ergebnis sieht Dobler den „beschädigten Planeten“. Denn die Steinkugel ist nicht perfekt. Im Fels gibt es einen Krater. Für Dobler ist er ein Symbol für unseren Umgang mit der Erde, dafür, wie sie abgeplündert und zerstört werde. Gleichzeitig stehe das Konglomerat, eine aus Tausenden Kieseln zusammengepresste Gesteinsart, für die Vielfalt auf der Welt mit ihren unzähligen Völkern.

Eröffnet wird Doblers Ausstellung morgen Samstag um 19 Uhr im Weißen Kreuz in Fließ, wo weitere Werke des Künstlers ausgestellt sind. Geöffnet hat die Schau jeden Sonntag von 10 bis 12 und 15 bis 17 Uhr.




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