Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 09.11.2018


Innsbruck

Kunst des Mittealters: Schätze von gestern neu inszeniert

Die museale Neuaufstellung der Kunst des Mittelalters und der Renaissance macht mit Objekten bekannt, die teilweise noch nie zu sehen waren.

© LacknerVor auberginefarbigen Wänden präsentiert das Tiroler Landesmuseum seine unterschiedlichen Schätze aus dem Mittelalter.Foto: Lackner



Von Edith Schlocker

Innsbruck – Stück für Stück verwandelt sich das Tiroler Landesmuseum wieder von einem Notdepot in einen Ort zum Sehen und Staunen. Nach der Modernen Galerie werden nun auch die Schätze des Mittelalters und der Renaissance komplett neu präsentiert. Augenfängerisch inszeniert vor farbigen Wänden und raffiniert ins Licht gesetzt. Verantwortlich für die ebenso effektvolle wie kluge Hängung ist der Kustos für die Älteren Kunstgeschichtlichen Sammlungen, Peter Scholz. Indem er die Neuaufstellung dieses zentralen Teils der musealen Sammlung prinzipiell neu konzipiert hat. Um viele – zum größten Teil perfekt restaurierte – Stücke aus dem Depot zu holen, die zum Teil noch nie oder seit Jahrzehnten nicht mehr öffentlich zu sehen waren. Und nun auf ihre wissenschaftliche Aufarbeitung warten.

Auf rund 350 Quadratmetern sind etwa 100 Werke vom Mittelalter bis zur Renaissance zu sehen. Die ersten zwei Räume sind dunkel, die Wände auberginefarben. Gleich am Eingang wird der Besucher mit einem Werk konfrontiert, das mit Tirol überhaupt nichts zu tun hat und gleichzeitig das wertvollste der musealen Sammlung ist: der in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts wahrscheinlich in Byzanz entstandenen Artuqidenschale, einem – durch seine Verbindung okzidentaler und orientalischer Kulturelemente – Objekt von Weltrang.

Die den Alexandermythos erzählende Schale ist im 19. Jahrhundert von einem Mitglied des Museumsvereins statt des Mitgliedsbeitrags für zwei Jahre ins Haus gekommen, die meisten der übrigen nun neu präsentierten Objekte durch großzügige Legate, u. a. von Ludwig von Wieser.

Zu sehen sind spektakuläre Kunstwerke wie spätgotische Flügelaltäre aus Tiroler Werkstätten genauso wie das wunderbar geschnitzte Chorgestühl aus der Kapelle von Schloss Annenberg oder ganz Kleines wie fragil in Bein geschnitzte Reisealtärchen oder ein „Kamel“ aus Bronze.

Für die Kunst um bzw. nach 1500 werden die Wände tonig hell. Hier hängen ikonische Bilder u. a. von Lucas Cranach d. Ä., aber auch ein Fresko aus der Burg Lichtenberg. Ein eigener Raum ist für die Kunst aus Italien reserviert. Hier steht – ganz Renaissance – bereits der Mensch im Mittelpunkt, etwa bei dem von Palma il Giovane gemalten Dogenporträt oder dem vergoldeten Kruzifixus von Guglielmo della Porta.