Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 20.11.2018


Kunst

20 Jahre RLB-Kunstbrücke: Ein Jubiläum mit Aufbruch?

In einer breit angelegten Schau zum Symbol der Brücke feiert die RLB-Kunstbrücke ihr Zwanzigjähriges. Dass das Jubiläum auch eine Brücke hin zu einem Neustart wird, ist wahrscheinlich, aber noch nicht klar definiert.

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© Günter Kresser



Von Barbara Unterthurner

Innsbruck – 60 Ausstellungen mit insgesamt 362 Künstlern und Künstlerinnen, die über 2000 Werke zeigten. Das ist die Bilanz aus 20 Jahren RLB Kunstbrücke. Ein Jubiläum, das die Bank mit der gestrigen Eröffnung nun gut sichtbar begeht. Und ein Jubiläum, das zugleich mit Verweis auf die Pläne für die Sanierung des RLB-Areals in der Adamgasse auch für einen Aufbruch stehen könnte.

Aber zuerst zur Geschichte: 1998 wurde der (für Ausstellungsmacher quasi Nicht-)Raum als Galerie der Raiffeisen-Landesbank eröffnet. Mit einer Ausstellung zur Sammlung der RLB, welche bereits in den Sechzigern initiiert wurde. Seit 15 Jahren gibt nunmehr Silvia Höller die kuratorische Linie vor. Unter ihrer Führung wurde der RLB-Kunstpreis ins Leben gerufen, der nach wie vor als einer der wenigen seiner Art in Tirol alle zwei Jahre wichtige Akzente setzt. Einen ebenso wichtigen, wie auch das RLB Atelier (initiiert 2001) im sonst auf dem Gebiet der zeitgenössischen Kunst eher dünn besiedelten Osttirol seither setzt.

In der Gegenwart angekommen ist die Herausforderung, zwanzig Jahre nun in einer Ausstellung zu verpacken, eine zu große; anstatt die Geschichte Revue passieren zu lassen, schafft die Kunstbrücke lieber Neues – und holt sich dafür das Who’s who der Tiroler Kunstszene. Als roten Faden entschied man sich für das Thema der Brücke, zu der jeder der – passenderweise zwanzig – geladenen Künstler jeweils einen Beitrag stellen konnte. Silvia Höller sieht die Werke, von Fotografie über Video bis hin zur Installation, auch als Wertschätzung der Künstler gegenüber dem Konzept Kunstbrücke. Zu deren Jubiläum man sich nicht nur auf arrivierte Künstler verlässt, sondern sich – bedingt durch die vierzehn Kunstpreis-Träger – jung und experimentell präsentiert.

Darunter etwa Karin Ferrari, Preisträgerin von 2018, die zur aktuellen Ausstellung das Video „Decoding The Iphone Xs (The Whole Truth)“ beiträgt. Und damit erneut ironische Aufklärungsarbeit betreibt. Ferrari schlägt eine Brücke zwischen der Attitüde von Verschwörungstheorien und der Sprache der Werbung – Konzepte von Authentizität und Wahrheit werden den Besuchern auf spektakuläre Art vor die Füße geworfen.

Ein verbindendes Glied ist die Brücke auch bei Christine Prantauer, und das obwohl sie gebrochen scheint. An den zwei Enden der Glasbrücke in der Bankfiliale – das namensgebende Element für die Kunstbrücke – transferiert sie die aus der Londoner U-Bahn bekannte Ansage „Mind The Gap“ nach Kapstadt zur bisher unvollständig gebliebenen Foreshore Freeway Bridge. Gespiegelt und mit Augenzwinkern erscheint die Ansicht mit Nordkette oder Tafelberg.

Schwieriger auf einen Blick wahrzunehmen, aber deshalb nicht weniger spannend, sind die Arbeiten von Annja Krautgasser, Thomas Feuerstein oder Rens Veltman. Eine eingängige Lektüre wird aber belohnt. Während andere Zugänge zumindest auf formaler Ebene bekannt erscheinen, Esther Stocker, Hans Weigand, Lois Weinberger oder Eva Schlegel wären hier als Beispiele zu nennen, bietet das Thema Brücke für Michael Strasser (Preisträger von 2014) Anlass für die Vorstellung einer neuen Arbeitsweise. Er wechselt von der Fotografie hin zu reizvollen, weil minimalistischen Tape-Reliefs auf Leinwand.

Ob auch das Jubiläum der Kunstbrücke für die Zukunft einen Aufbruch in neue Gefilde bedeutet, das will Vorstandsvorsitzender Johannes Ortner noch nicht preisgeben. Dass die Landesbank eine Umgestaltung des Areals in der Adamgasse plant, ist fix. Auf Nachfrage bestätigt Ortner: „Die Kunst wird einen hohen Stellenwert einnehmen. Vielleicht einen größeren als bisher.“ Im neuen Konzept werde ein Raum mitgedacht, der besser zugänglich ist und in dem das Ausstellen leichter wird. Wie genau dieser Raum aussieht und wie und ob die Umbauphase überbrückt wird, verrät Ortner nicht. Die Ergebnisse des Architekturwettbewerbs werden demnächst präsentiert.

Trotzdem ein zartes Zeichen, dass sich nach sinkender Frequenz an Ausstellungen in der Kunstbrücke (seit 2014 fährt man mit zwei anstatt der gewohnten drei Schauen pro Jahr) ein Umdenken einstellen könnte. Man wolle auf Linie bleiben, meint Ortner. Dem Kunstbrücke-Programm, denkt man an den Output des Kunstpreises etwa in Richtung der diesjährigen Ankäufe der Stadt Innsbruck, würde die Umwandlung des (Nicht-) Raums in einen größeren Ausstellungsraum den nötigen Tribut zollen.