Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 24.11.2018


Kunst

Fein strukturierte Rätsel

Matthias Noggler gestaltet in der Stadtgalerie Schwaz eine Gruppenausstellung als Experiment.

© Verena Nagl



Schwaz – Was passiert, wenn Künstler neben ihrem Kunstschaffen auch die Kuratorenrolle einnehmen, sieht man – als positives Beispiel – aktuell in der Galerie der Stadt Schwaz. Dort hat der Innsbrucker Matthias Noggler neben eigenen Arbeiten auch jene der ehemaligen Studienkollegen Birke Gorm und Nora Kapfer gesammelt – für ein „offenes Experiment“, wie er es selbst nennt.

Daraus entstanden ist die Schau „Whistle and I’ll come to You“, ein Titel, frei gewählt nach einer Gruselstory von M. R. James. Aber nicht schlecht gewählt vom diesjährigen Förderpreisträger für zeitgenössische Kunst des Landes Tirols, denn auch die Ausstellung mutet an vielen Stellen mysteriös an. Das hat vor allem mit der Technik der drei Künstler zu tun, die durchwegs zwischen Abstraktem und Figuralen changieren und dem Besucher einen einfachen Blick auf ihre Werke zunächst verwehren.

Zum Beispiel die Arbeiten der deutschen Künstlerin Birk­e Gorm, die in grobe Jutesäcke Szenen des Alltags einnäht. Vorlagen liefert die allseits verwendete Stockfotografie. Eine allgemeingültige Ästhetik, die in unterschiedliche Strukturen aufgenäht oder losgelöst eingewoben wird.

Statt einer alten Technik findet die Münchnerin Nora Kapfer zu einem altehrwürdigen Material: Bitumen, das sie in ihren Bildern verwendet, ist eine natürlich vorkommende teerartige Masse, die bereits in der Antike als Farbe verwendet wurde. Bei Kapfer wird sie zum Untergrund für gerasterte Formen à la Sigmar Polke und zum Material, in dem sie Spuren des Arbeitsprozesses hinterlässt.

Was zum Künstlerkurator Noggler führt, der sowohl mit kleineren Aquarellen zeitgenössischer Szenerien antritt als auch mit nebeneinander installierten Gouachen, in denen Hundertwasser-Gesichter psychedelisch verschwimmen und die Figuren von einer Arbeit in die andere überfließen. Eindeutig das Highlight dieses „offenen Experiments“ Nogglers, das in all seiner vermeintlichen Rätselhaftigkeit doch etliche Assoziationen und Querverweise zulässt. (bunt)