Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 04.12.2018


Tiroler Landesarchiv

Platznot im Archiv hat politisches Nachspiel

Das Landesarchiv ist randvoll. Die Liste Fritz verlangt Aufklärung darüber, warum sich der Ausbau verzögerte.

Nichts geht mehr. Im Tiroler Landesarchiv können seit zwei Jahren keine weiteren Schriftstücke mehr abgelegt werden.

© BöhmNichts geht mehr. Im Tiroler Landesarchiv können seit zwei Jahren keine weiteren Schriftstücke mehr abgelegt werden.



Innsbruck – Seit 2008 wusste die Tiroler Landesregierung von der Platznot im Tiroler Landesarchiv. Diese ist derart akut, dass schon seit zwei Jahren kein weiteres Schriftgut mehr archiviert werden kann. Wertvolle Unterlagen drohen auf Nimmerwiedersehen zu verschwinden. Erst 2021 soll ein zusätzlicher Archivspeicher fertig sein. Dieser befindet sich in der Projektphase.

Fakten wie diese rufen eine Oppositionspartei wie die Liste Fritz auf den Plan. Deren Abgeordneter Markus Sint macht die Versäumnisse um das Landesarchiv (das sprichwörtliche „Gedächtnis des Landes“) im Landtag zum Thema. Sint beantragt die Abänderung des Landesbudgets 2019 bei der Sitzung nächste Woche: „Es muss Geld zur Verfügung gestellt werden, um Archivmaterial zwischenlagern zu können.“

Als zweiten parlamentarischen Schritt bringt der Abgeordnete eine schriftliche Anfrage im Landtag ein. Ein Adressat ist der für die Finanzen zuständige LH Günther Platter (ÖVP). „Es ist zu klären, warum der Ausbau des Archivs nicht ernst genommen und zeitgerecht veranlasst wurde“, verlangt Sint.

Seitens des Landes wurde die Bauverzögerung mit der Finanz- und Wirtschaftskrise im Gefolge der Lehman-Pleite im Jahr 2008 begründet; auch für die Sanierung der Hypo Landesbank musste viel öffentliches Geld aufgewendet werden. Der Ausbau des Landesarchivs gesellte sich in die Warteschlange. Nach aktuellen Berechnungen sind für den Bau fünf Millionen Euro aufzubringen: vier Millionen aus dem Landesbudget, eine Million aus Mitteln der Landesgedächtnisstiftung.

„Am unsensiblen Umgang mit dem ‚Gedächtnis des Landes‘ zeigt sich das Bewusstsein für die eigene Geschichte; das machen auch noch so viele Werbekampagnen für diverse Jubeljahre nicht wett“, kann sich Sint einen Seitenhieb auf die Regierung nicht verkneifen. (mark)