Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 08.12.2018


Exklusiv

„Museum gratis“ für Palfrader denkbar

Das Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum wird mit neuem Chef und Millionenaufwand zum „Haus der Kunst“ umgebaut.

© Foto TT / Rudy De MoorDas Ferdinandeum bekommt für das 200-Jahr-Jubiläum im Jahr 2023 einen neuen Look verpasst, zumindest innen.



Von Markus Schramek

Innsbruck – Im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum wird, in Abwandlung eines beliebten Sprichworts, manch ein Stein nicht mehr auf dem anderen bleiben. Dem historischen Schauhaus in der Museumstraße stehen große Veränderungen bevor, baulich und personell. Mit November 2019 übernimmt Peter Assmann (55), derzeit noch Museumschef in Mantua, als Direktor das Ruder im altehrwürdigen Museum in Innsbruck. Noch-Direktor Wolfgang Meighörner (60) verlässt mit Ende 2019 das Haus, allerdings gänzlich unfreiwillig. Er hatte sich mit dem Zweigestirn an der Museumsspitze, Landesrätin Beate Palfrader (ÖVP) für das Land Tirol und Museums- obfrau Barbara Psenner, überworfen.

Nachfolger Assmann, ein gebürtiger Tiroler, ist aber schon jetzt gefordert. Wichtige Entscheidungen für die Zukunft des Museums stehen an. Die Vorgaben Palfraders und Psenners sind ehrgeizig: Assmann soll den verstaubten, musealen Riesenkomplex in ein „Haus der Kunst“ verwandeln. In einen Treffpunkt, den man gerne ansteuert, um Kunst und Kultur zu genießen oder auch nur, weil es sich dort gut aushalten lässt. Ein Ort mit „Wow“-Effekt soll es sein mit gemütlichem Lokal/Restaurant und gut sortiertem Museums-Shop.

Aus dem Ferdinandeum wird jedenfalls eine Baustelle größeren Ausmaßes. „Es wird sicher ein Millionenprojekt“, sagt Palfrader im TT-Gespräch.

Ein Experten-Gremium brütet bereits über Konzepten und Plänen. Der Denkmalschutz spricht ein gewichtiges Wörtchen mit. Die Entscheidung, in welchem Ausmaß das Museum umgestaltet wird, fällt noch 2019. Denn der Termin für die Inbetriebnahme des „Ferdinandeums neu“ ist unverrückbar: Im Jahr 2023 wird das Haus 200 Jahre alt. Da soll es in neuer Optik erstrahlen und stärker als bisher die Massen anlocken.

Palfrader ist bereit, von politischer Seite an der Attraktivierung mitzuarbeiten. „Es ist für mich denkbar, dass der Eintritt ins Ferdinandeum grundsätzlich gratis ist“, so die Landesrätin. Der Einnahmenentfall müsse aber auf andere Weise aufgefangen werden. Das Geld könne beispielsweise durch „spezielle kostenpflichtige Sonderveranstaltungen“ im Museum hereingespielt werden.

Die Einnahmen der insgesamt fünf Landesmuseen (Ferdinandeum, Zeughaus, Volkskunstmuseum, Hofkirche und Tirol Panorama mit Kaiserjägermuseum) befinden sich im Sinkflug. Im Landesbudget 2019 wurden die Erlöse mit 800.000 Euro veranschlagt, im Jahr 2018 hingegen noch mit 1,1 Millionen.

Die Besucherzahl in allen fünf Häusern bewegt sich seit 2015 zwischen 310.000 und 330.000 Personen. Mehr als ein Drittel davon entfällt allein auf die Hofkirche mit den viel bestaunten „Schwarzen Mandern“ am Grabmal Maximilans I.

Änderungsbedarf ortet Palfrader auch auf geschichtsträchtigem Boden: am Bergisel. Dort beherbergt das 2011 eröffnete Tirol Panorama das Riesenrundgemälde mit Darstellungen des Tiroler Freiheitskampfes anno 1809. Das Museum verfügt zusätzlich über einen unterirdischen Ausstellungsraum, den „Schauplatz Tirol“. Hier möchte Palfrader nachjustieren: „Die Museen des Landes müssen immer darauf bedacht sein, ihre Attraktivität weiter zu erhöhen.“

Und die Arbeit wird Neo-Direktor Assmann und Co. so schnell nicht ausgehen: Auch das Zeughaus harrt einer neuen Ausrichtung. Von den fünf Museen des Landes in Innsbruck ist das ehemalige Waffenarsenal Maximilians I. jenes mit der schwächsten Zugkraft: 21.523 Besucher im Jahr 2017. Am vorletzten Platz rangiert das Ferdinandeum (37.898 Besucher). Publikumsmagnet Hofkirche brachte es auf 118.476 Eintritte, das Tirol Panorama auf 80.743.