Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 07.01.2019


Spanien

Erbe der gesamten Menschheit

Wo sich die Crème de la Crème der Kunst tummelt: Der Madrider Prado wird 200.

Die „La Fura dels Baus theatre company“ performt vor dem Prado vor einer Goya-Projektion.

© imago/Agencia EFEDie „La Fura dels Baus theatre company“ performt vor dem Prado vor einer Goya-Projektion.



Madrid – Der Prado ist Spaniens Kunsttempel par excellence. Seine Räume beherbergen mehr als 8600 Gemälde und Zeichnungen sowie rund 700 Skulpturen. Heuer feiert das Museum sein 200-jähriges Bestehen. Qualitativ ist die Sammlung kaum zu überbieten, sagen Experten.

Wände über Wände, behängt mit Schlüsselwerken von Tizian, Tintoretto, Rubens, Raffael, Dürer, Fra Angelico und El Greco. Gemälde von Göttern, Königen, Schlachten und biblischen Begebenheiten, so opulent, dass Besuchern unwillkürlich ein leises Raunen entfährt. „Für die, die an ‚alten Schinken‘ interessiert sind, gibt es nichts, was qualitativ besser wäre als der Prado“, sagt ein Insider.

Die Besucherzahlen des Prado sprechen für sich: Im vergangenen Jahr kamen mehr als 2,8 Millionen Kunstfans, 2016 waren es sogar mehr als drei Millionen – vor allem dank einer großen Schau anlässlich des 500. Todestages von Hieronymus Bosch (oder „El Bosco“, wie er in Spanien heißt). Es war die bislang erfolgreichste Ausstellung in der Geschichte des Museums.

Zum 200-Jahr-Jubiläum sind zahlreiche Sonderausstellungen geplant, nicht nur in Madrid, sondern auch in anderen Teilen Spaniens. Der Prado selbst widmet ab Mai der italienischen Frührenaissance eine Schau unter dem Titel „Fra Angelico und die Anfänge der Renaissance in Florenz“. Im November startet eine Ausstellung mit mehr als 100 Zeichnungen von Goya (1746–1828). Und auch moderne Kunst des 20. Jahrhunderts findet in dem guten alten Musentempel Platz, etwa ab April Werke des Schweizer Bildhauers und Malers Alberto Giacometti (1901–1966).

König Felipe VI. würdigte den Prado erst kürzlich als „wahre Ikone der spanischen und universellen Kultur“. Er sei „ein Symbol für Kreativität, Exzellenz und die künstlerische Sensibilität“ des Landes – aber ebenso „ein Erbe der gesamten Menschheit“. (dpa)




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