Letztes Update am Fr, 18.01.2019 11:57

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Schweden

Museum des Scheiterns zeigt Flops aus aller Welt

Ein instabiles Fahrrad, ein grünes Ketchup und eine elektrische Maske gegen Falten - in diesem besonderen Museum in Schweden wird das Scheitern zum Erfolgsfaktor.

Dieses ausgestellte Fahrrad aus Kunststoff, das 1981 in Schweden verkauft wurde, erwies sich als dermaßen instabil, dass es unter dem Gewicht der Fahrer zusammenbrach.

© Museum of FailureDieses ausgestellte Fahrrad aus Kunststoff, das 1981 in Schweden verkauft wurde, erwies sich als dermaßen instabil, dass es unter dem Gewicht der Fahrer zusammenbrach.



Helsingborg — Samuel West hatte genug von all den Erfolgsgeschichten, über die berichtet wird. Mindestens genauso häufig wie der große Durchbruch ist in der Wirtschaft der Misserfolg. Und aus diesen Fehlern könne man lernen, ist der Psychologe überzeugt. Deshalb hat West Flops aus aller Welt für sein Museum des Scheiterns im schwedischen Helsingborg gesammelt.

Früher hat der 44-Jährige aus Kalifornien darüber geforscht, wie große Firmen innovativer werden können. Jetzt beschäftigt er sich mit dem Scheitern. „Ich suchte einen neuen Weg, um eine Diskussion über das Lernen aus Fehlern anzuregen", sagt West. „Und ich dachte, eine Ausstellung wäre eine witzige Art, das zu tun."

Am Eingang des Museums fällt den Besuchern eine Furchterregende Kunststoffmaske ins Auge. Die hatte eine US-Firma in den 1990er Jahren auf den Markt gebracht: mittels Strom sollte sie Fältchen verschwinden lassen. Ein Flop - genauso wie das grüne Ketchup von Heinz und all die anderen Exponate. West hat die meisten davon selbst gesammelt.

Viele Gäste bleiben vor der Vitrine mit einem Brettspiel stehen. „Trump - das Spiel" heißt es und ist eine Art Monopoly mit dem Konterfei des heutigen US-Präsidenten. Die Spieler handeln dabei mit Immobilien, alle mindestens zehn Millionen Dollar wert. Statt einer Sechs steht ein „T" auf dem Würfel. „Trump gewinnt immer", kommentiert West.

Für Gelächter sorgt auch das ausgestellte Fahrrad aus Kunststoff, das 1981 in Schweden verkauft wurde und sich als dermaßen instabil erwies, dass es unter dem Gewicht der Fahrer zusammenbrach. Selbst große Konzerne wie Coca Cola müssen Misserfolge einstecken: Die Cola mit Kaffeegeschmack, vermarktet als Coke BlaK, kennt heute niemand mehr.

Museum des Scheiterns führt zum Erfolg auf ganzer Linie

Claudine Cochet, Fotografin aus der Nähe von Paris, findet all die Geschichten des Scheiterns dennoch ermutigend: „Ich denke, man muss einfach alles mal versuchen." West eröffnete die Ausstellung im Sommer 2017 mit Unterstützung des Schwedischen Innovations Fonds.

Das Museum des Scheiterns selbst entwickelte sich zu einem vollen Erfolg: Zwischenzeitlich war die Ausstellung in Los Angeles und Toronto zu sehen, nächste Station ist Shanghai, bevor die Misserfolge im Frühling in München zu sehen sein werden.

In Helsingborg an der südschwedischen Küste ist der Kalifornier West inzwischen ein Promi. Das merkte er eines Tages, als er zum Frühstücken in ein Cafe ging und mit „Hey, da ist Doktor Flop!" begrüßt wurde. (APA/AFP)