Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 01.02.2019


Kunst

Bilder ohne andere Realität

Christian Martinelli porträtierte acht Menschen mit Behinderung in ihrem Alltag: als liebendes Paar, im Schwimmbad, beim Spaziergang im Wald.

Christian Martinelli porträtierte acht Menschen mit Behinderung bei ihren Lieblingsaktivitäten: Für Julia ist es das Schwimmen.

© Christian MartinelliChristian Martinelli porträtierte acht Menschen mit Behinderung bei ihren Lieblingsaktivitäten: Für Julia ist es das Schwimmen.



Innsbruck – Dass die Kategorie „Menschen mit Behinderung“ viel zu kurz greift, will eine Fotoausstellung der Lebenshilfe Tirol aktuell zeigen. Christian Martinelli porträtierte acht Menschen mit Behinderung in ihrem Alltag: als liebendes Paar, im Schwimmbad, beim Spaziergang im Wald. Und das mit äußerster Feinfühligkeit den Porträtierten gegenüber.

Zu sehen sind diese Bilder seit gestern in den Räumen der Lebenshilfe in der Ing.-Etzel-Straße, wo sie nicht nur für Besucher, sondern auch für die dort Arbeitenden einen offeneren Umgang mit dem Thema Behinderung bieten sollen. Geschäftsführer Georg Willeit bestätigt: „Wir wollen keine Klischeebilder zeigen, sondern die Realität. Menschen mit Behinderung interessieren sich für die gleichen Themen wie alle anderen.“ Liebe, Freizeit, Natur – davon sprechen demnach auch die Fotos des Südtiroler Fotografen. Bereits mehrmals hat er Projekte mit der Lebenshilfe realisiert, u. a. in Haiti und Mexiko.

Für die aktuelle Reportage­reihe wählt der Meraner zusätzlich eine symbolische Klammer: In Schwarz-Weiß werden die acht Beteiligten zuerst in Spiegelungen porträtiert, auch, um zu zeigen, dass die Protagonisten zwar selbstständig, oft aber auch auf Hilfe angewiesen sind. Den Abschluss bilden zwei verspiegelte Bilder, in denen das Porträt von der Spiegelung des Betrachters überlappt wird. Und damit auch zeigt, wie selbstverständlich Inklusion in die Gesellschaft funktionieren sollte. (bunt)




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