Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 04.02.2019


Frankfurt am Main

Eigene Schau für die vergessene Malerin

Das Städel Museum in Frankfurt am Main widmet Lotte Laserstein eine eigene Schau.

Das Städel Museum erwarb 2014 das Hauptwerk „Russisches Mädchen mit Puderdose“ von Lotte Laserstein (1898–1993).

© Städel Museum/ARTOTHEKDas Städel Museum erwarb 2014 das Hauptwerk „Russisches Mädchen mit Puderdose“ von Lotte Laserstein (1898–1993).



Frankfurt – Wer annimmt, Frankfurt am Main sei eine langweilige oder gar hässliche Finanzmetropole, der irrt sich. Die Stadt hat für Kunstaffine einiges zu bieten, etwa das Städel Museum, das zu den bedeutendsten Kunstmuseen Deutschlands zählt und neben einer umfangreichen grafischen Sammlung auch über 4000 Gemälde aus unterschiedlichen Epochen beherbergt.

Noch bis März widmet das Städel der vergessenen jüdischen Porträtmalerin Lotte Laserstein (1898–1993) eine sehenswerte Ausstellung.

Lotte Laserstein wurde 1898 im damaligen Ostpreußen in Preußisch Holland bei Königsberg geboren. Sie zählt zur ersten Frauengeneration, die von der Öffnung der Hochschulen für Bildende Künste profitierten.

Laserstein schloss 1927 in Berlin ihr Studium mit Auszeichnung ab und zählte zum Kreis jener in der Weimarer Republik äußerst erfolgreichen Künstlerinnen, deren Werke in Ausstellungen gezeigt und in Zeitschriften publiziert wurden.

Lasersteins Modelle waren vorwiegend Frauen. Vor allem durch die Bekanntschaft mit Gertrud Rose, genannt „Traute“, fand Laserstein ein Modell, das den Typus der „Neuen Frau“ verkörperte: eine androgyne, geschminkte, emanzipierte junge Dame mit kurzen Haaren und locker sitzender Kleidung.

Zu Beginn der nationalsozialistischen Diktatur floh Laserstein nach Schweden, wo es ihr mit großer Mühe gelang, ein eigenständiges künstlerisches Leben aufzubauen. Es gelang ihr jedoch nicht, ihre Mutter und ihre Schwester vor dem Nazi-Terror zu retten.

Im Zuge der staatlich verordneten Kunstästhetik verschwanden nicht nur Lasersteins Werke, sondern auch jene ihrer männlichen Kollegen aus dem Fokus der Öffentlichkeit. (geta)