Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 18.02.2019


Kunst

Absichtsvolle Absichtslosigkeit

„Space to be“ heißt dieses Bild von Janine Weger.

© weger„Space to be“ heißt dieses Bild von Janine Weger.



Innsbruck – Die junge Tiroler Künstlerin Janine Weger mag das große Format. Was in der Plattform 6020, der an die neue Innsbrucker Stadtbibliothek angedockten Fördergalerie für junge Kunst, aus Mangel an Wänden einigermaßen schwierig ist. Weshalb die 26-Jährige, die in Cambridge Malerei studiert hat, aus der Not eine Tugend macht und bei ihrer erst zweiten Einzelausstellung zwei ihrer großen Leinwände wie Objekte frei in den Raum stellt.

In eine Vitrine hat Weger außerdem viele kleine Fotos gelegt. Von Architekturen, landschaftlichen und diffusen stadträumlichen Strukturen, die sie zu ihren ungegenständlichen, von Farben dominierten Bildern inspirieren. Was allerdings nicht bedeutet, dass sie diese abmalt, sondern zu Essenzen verdichtet.

Janine Weger braucht große Sehabstände zum Malen ihrer Bilder, wofür sie sich aus „normalen“ Pinseln eigene Werkzeuge baut, die fast wie Besen daherkommen. Tief in Farbe getaucht, durchpflügt sie mit diesen vertikal die liegenden Leinwände. Bisweilen in mehreren sich überlappenden Schichten, um oben, unten oder seitlich immer Weißräume freizulassen. Die noch nassen Farbflächen durchkreuzt die Künstlerin schließlich diagonal in vehementem Gestus mit einer Kontrastfarbe. So konzentriert der erste Schritt von Wegers Tun ist, so emotional ist der zweite. Angelegt als Spiel mit dem Zufälligen, das sich aus der Überlagerung von zwei Schichten nasser Farbe ergibt, wobei der oberen Harz beigemischt ist.

Mit dem Effekt, dass sich die Farben in absichtsvoller Absichtslosigkeit rinnend vermischen, an den Grenzen leicht ausfransen. Weger zeigt in der Plattform 6020 aber auch ganz kleine, sehr dicht gemalter Bilder. Statt in die Breite und Höhe geht es da in die Tiefe, die Pinselstriche sind kleinteilig in sämtliche Richtungen zu raffinierten Farbräumen verschachtelt. (schlo)




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