Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 26.02.2019


Innsbruck

Kunstraum Innsbruck: Kritik an Mehrfachfunktion

Wie es im Kunstraum weitergeht, bleibt offen.

© BöhmWie es im Kunstraum weitergeht, bleibt offen.



Lange ließen die Reaktionen auf den überraschenden Rückzug von Karin Pernegger als Künstlerische Leiterin des Kunstraums Innsbruck (die TT berichtete) nicht auf sich warten. Eine offizielle Reaktion auf die letzten Vorkommnisse liegt nun vom Verein Innsbruck Contemporary (kurz IC) vor, dem Dachverband von 14 Institutionen und Galerien in und um Innsbruck — darunter etwa Taxispalais Kunsthalle Tirol oder das Ferdinandeum. Auch der Kunstraum ist Mitglied.

Im Schreiben danken die Vertreter der Ausstellungshäuser Pernegger für ihre Arbeit, äußern aber auch Unmut über die aktuellen Verhältnisse im Kunstraum. Die Mehrfachfunktion von Kunstraum-Obmann Lothar Tirala halte man für „bedenklich". Der Verband spielt darauf an, dass Tirala zuletzt etwa in der Ausstellung zu Norbert Pümpel Vorstandsvorsitzender sowie Kurator war, gleichzeitig aber auch Sammler ist, der Werke seiner Künstler durch Platzierung in einer Ausstellung im Wert steigern könnte. Dies sei mit einem Kunstraum, der öffentliche Subventionen erhält, nicht vereinbar, moniert der IC.

Der Kunstraum wurde 2018 mit 104.000 Euro von der Stadt Innsbruck unterstützt, das Land schoss für 2016 84.000 Euro und 2017 57.000 Euro zu. Und die Förderungen der Stadt laufen im Sinne des Dreijahresvertrages auch 2019 weiter. Pernegger habe selbst noch das Programm für die ersten Ausstellungen eingereicht, bestätigt Marie-Luise Mayr vom Kulturamt Innsbruck. Eine erste Rate wurde auch bereits ausbezahlt.

Im Zuge des Abgangs von Pernegger meinte Tirala, er wolle die gemeinsam geplanten Ausstellungen umsetzen, bis eine Nachfolge für die künstlerische Leitung gefunden ist. Der IC wünscht sich hierfür eine fachlich ausgebildete Person. Offenbar wird der Vereins­obmann, der seit 2004 sein Amt innehat, nicht für tauglich befunden.

Dass Tirala die Leitung aber gar nicht anstrebt, zeigt die Ausschreibung für die freigewordene Stelle, die seit vergangener Woche auf der Homepage des Kunstraums online ist. Übrigens das erste Mal in der Geschichte des Vereins, dass diese öffentlich erfolgt.

Bis Ende März läuft die Frist, bereits Anfang April endet die aktuelle Ausstellung. Wie es danach weitergeht, darüber ist noch nichts bekannt. Auch wie harmonisch der Abgang von Pernegger nun wirklich war, bleibt indes weiter offen: Sie war auch für den IC zu keiner Stellungnahme bereit. (bunt)