Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 26.02.2019


Innsbruck-Land

Kunstprojekt in Hall soll aufrütteln

Mit Skulpturen von Lois Anvidalfarei will die Pfarre Hall St. Nikolaus in der Fastenzeit zum Nachdenken anregen – und im positiven Sinne provozieren.

Die Frage nach dem Umgang mit dem Thema Leid ist für Pastoralassistent Andrè Nardin (l.) und Pfarrer Jakob Patsch zentral.

© DomanigDie Frage nach dem Umgang mit dem Thema Leid ist für Pastoralassistent Andrè Nardin (l.) und Pfarrer Jakob Patsch zentral.



Hall – Die Pfarre Hall St. Nikolaus präsentiert heuer in der Fastenzeit ein außergewöhnliches Kunstprojekt: Ab Aschermittwoch und bis Karfreitag werden in der bzw. vor der Pfarrkirche Skulpturen des renommierten ladinischen Künstlers Lois Anvidalfarei aus Abtei (Südtirol) aufgestellt. Sie sollen unter dem Motto „Mensch, wer bist du?“ zur Auseinandersetzung mit dem schwierigen Themenkomplex Leid anregen. Die Idee dazu sei von der Galeristin Stefanie Moser-Maier ausgegangen, erklärt Pfarrer Jakob Patsch. „Wie gehe ich mit dem Leid Unschuldiger und Kranker um? Schaue ich hin oder weg? Das sind zentrale Fragen, auch wenn man nicht religiös ist.“ Auch die Religion habe hier keine einfachen Antworten parat. Wichtig ist Patsch die Aktualität und Brisanz: „Wir hören am Karfreitag von der Leidensgeschichte Jesu. Aber das Leiden geht ja weiter, die Schauplätze haben sich geändert“, wenn man etwa an Syrien, Afghanistan oder auch die Christenverfolgung in weiten Teilen der Welt denke.

Die gezeigten Skulpturen – ein nackter Gekreuzigter, ein zusammengekauerter Hiob, Adam und eine Figurengruppe mit drei Gehängten (die vor Jahren vor dem Stift Wilten für Aufsehen sorgte und damals von Unbekannten in einer Nachtaktion abgehängt wurde) – seien „nicht ästhetisch im herkömmlichen Sinn“, sagt Patsch. „Aber muss Kunst nicht auch aufrütteln, verstören, nachdenklich machen, im positiven Sinne provozieren?“

Der "Gekreuzigte" von Lois Anvidalfarei (1989) wird in der Pfarrkirche zu sehen sein
Der "Gekreuzigte" von Lois Anvidalfarei (1989) wird in der Pfarrkirche zu sehen sein
- Gerhard Watzek

Es gehe auch darum, Berührungsängste der Kirche zur zeitgenössischen Kunst abzubauen. „Und auch eine gewisse Unbefangenheit gegenüber der Leiblichkeit täte der Kirche nicht schlecht“.

Umso wichtiger sei es, das Kunstprojekt gut einzubetten und zu begleiten, betont Pastoralassistent Andrè Nardin, in den Jugendgruppen und bei öffentlichen Veranstaltungen: Dazu gibt es einen Vortrag mit dem Theologen Georg Fischer (am 19. März um 20 Uhr im „Pfarregg“), ein Künstlergespräch mit Lois Anvidalfarei (am 26. März um 19 Uhr in der Pfarrkirche) und einen Kreuzweg durch die Altstadt mit Bischof Hermann Glettler am 29. März um 19 Uhr. (md)