Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 02.03.2019


Innsbruck

Innsbrucker Galerie Nothburga: Architekturen aus Papier im Miniaturformat

Kunstvolles mit praktischem Mehrwert: Angewandtes von Günter Ramminger sowie Andrea und Ulrike Halmschlager in der Innsbrucker Galerie Nothburga.

Von Günter Ramminger aus Papier und Karton gemacht.

© schlocker, galerie nothburgaVon Günter Ramminger aus Papier und Karton gemacht.



Von Edith Schlocker

Innsbruck – Skulpturalen Objekten, die, weil sie nicht nur schön, sondern – auch – nützliche Gebrauchsgegenstände sind, haftet meist der Makel des Angewandten und somit künstlerisch nicht Vollwertigen an. Anstatt dieses Verwendet-werden-Können als Mehrwert zu begreifen, der den künstlerischen Anspruch seiner Macher nicht notgedrungen schmälern muss. Etwa den von Günter Ramminger, der in der Galerie Nothburga seine bezaubernden, aus Papier gemachten Gefäße zeigt. Jedes davon ist komplett anders, zelebriert als Spiel mit geometrischen Formen, Eckigem und Rundem, streng Konstruktivem und schräg Dekonstruiertem. Da gibt es Objekte, die fast wie kleine Pagoden oder Pyramiden daherkommen, bei den meisten lässt Ramminger allerdings seiner Fantasie völlig freien Lauf.

Dass da ein gelernter Architekt am Werk ist, verwundert angesichts der Akribie, mit der sie konstruiert und gemacht sind, allerdings nicht. Rund 200 Hohlformen hat Günter Ramminger inzwischen aus Papier und Karton gebaut. Jede ist ein Unikat, jede dieser Architekturen im Miniaturformat ist anders. Auch ihre inneren und äußeren Oberflächen. Rammingers Faible für exquisite Papiere bzw. Muster ist hier unübersehbar. Sie sammelt der Vielreisende in aller Welt genauso wie Muscheln, Schnecken oder kleine Figürchen, die dann wieder als extravagante Knäufe zum Heben von Deckeln oder Öffnen von Schublädchen herhalten.

Seinen Mitausstellerinnen, Andrea und Ulrike Halmschlager, macht es Ramminger nicht leicht, obwohl auch die beiden Schwestern im Angewandten zuhause sind. Andrea näht aus bunten Borten ihre zum Schmuck für Köpfe und Hälse gedachten „Bortabesken“, ihre von der Fotografie her kommende Schwester Ulrike Halmschlager druckt dagegen Blumiges seriell auf netzartige Stoffe oder in opulenter Schwülstigkeit auf Samt.