Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 14.03.2019


Kunst

Neuentdeckung des Lichts

Gute News aus dem Fotoforum: Stadt und Bund zeigen Gesprächsbereitschaft. Wulf Ligges’ erste Soloschau eröffnet.

Landschaft oder fließende Farbflächen? Die Highlights der Schau sind im zweiten Raum zu finden.

© FotoforumLandschaft oder fließende Farbflächen? Die Highlights der Schau sind im zweiten Raum zu finden.



Innsbruck – Die Lichter bleiben an, heißt es aus dem Fotoforum in Innsbruck. Nachdem im Herbst 2018 bekannt wurde, dass es aufgrund von Budgetkürzungen für die einzig verbliebene Foto-Institution in Tirol schwierig werde, den Betrieb am Laufen zu halten, soll es nun von der Stadt sowie aus Wien positive Signale für die zukünftige Zusammenarbeit geben. Ohne diese Zugeständnisse könnte eine Ausstellung wie jene von Wulf Ligges, die morgen eröffnet wird, wohl auch nicht mehr stattfinden. Eine Schau, die ein komplettes fotografisches Œuvre neu entdeckt – war Ligges doch zuvor nie in einem derartigen Kontext ausgestellt. Zu seinem 80. Geburtstag erfährt der Vorarlberger mit der Schau „Sehnsuchtsort Landschaft“ eine späte Würdigung.

Fotoforum-Chef Rupert Larl nennt Ligges gar einen der erfolgreichsten österreichischen Fotografen seiner Zeit. Etliche DuMont-Bildbände zeugen von seinem Ruhm. In Tirol allerdings kennt man Ligges kaum. Und dabei lebt er inzwischen sogar hier. In Flaurling bewahrt er sein umfassendes Archiv an Negativen auf, aus dem Larl die aktuelle Schau aus – zum Geburtstag passend – 80 Fotos aussuchte. Die bekanntesten Bilder blieben außen vor – Larl war an den übersehenen Rändern des Œuvres interessiert.

Die Ausstellung changiert zwischen pittoresken, beliebigen Motiven und jenen, die Brüche aufweisen. Aufgearbeitet wird das Werk chronologisch: Der erste Raum ist der Schwarz-Weiß-Fotografie der Nachkriegszeit gewidmet. Später, als die Farbfotografie kommerziell interessant wird, entdeckt Ligges das Licht, in Form von Farbe, komplett neu. Die Schau wechselt für diese Zeit den Raum: Hier überzeugen jene Motive, in denen er Dreidimensionalität zugunsten von Abstrahierung aufgibt. Landschaften werden zu Farbflächen, die sich wie in der Malerei im Raum aufbauen.

Wulf Ligges ist eine lohnenswerte Neuentdeckung. Auch wenn die Grenzen seiner Arbeit festgesteckt sind: Subversiv oder konzeptuell wird er nie. Sondern bleibt der Landschaft sehnsüchtig verhaftet, wechselt aber immer wieder mal kurz die Perspektive. (bunt)




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