Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 05.04.2019


Bezirk Landeck

Genremaler Mathias Schmid: Der Heimat Paznaun verpflichtet

Mathias Schmid (1835—1923) hat sich als Genre- und Historienmaler weit über Tirol und Bayern hinaus einen Namen gemacht. Bekannt sind vor allem seine gesellschaftskritischen Werke.

Experten befassen sich in Workshop mit dem Genremaler Mathias Schmid (1835–1923).

© WenzelExperten befassen sich in Workshop mit dem Genremaler Mathias Schmid (1835–1923).



Ischgl – Aufgewachsen in See, mit 18 nach München gezogen, die Kunstakademie besucht und dort seinen Osttiroler Freund Franz Defregger kennen gelernt: Mathias Schmid (1835–1923) hat sich als Genre- und Historienmaler weit über Tirol und Bayern hinaus einen Namen gemacht. Bekannt sind vor allem seine gesellschaftskritischen Werke wie „Die Vertreibung der Zillertaler Protestanten“, „Die Karrenzieher“ oder „Der Sittenrichter“. Schmid brachte darin seine kritische Haltung gegenüber dem katholischen Klerus zum Ausdruck.

Auch wenn München sein Lebensmittelpunkt war, sah er sich seiner Heimat Paznaun stets verpflichtet: Bei seinen Besuchen entstanden zahlreiche Bilder und Skizzen mit Motiven bzw. Landschaften aus der Region.

Im Gemälde „Verlassen“ erzählt er die dramatische Begegnung eines jungen Paznauners mit seiner wohlhabenden Braut aus dem Montafon und einer verzweifelten Frau, die mit ihrem neugeborenen Kind vor einem Bildstock liegt – auf den Stufen des „Reararkappali“ am Zeinisjoch. Offensichtlich handelt es sich um die frühere Geliebte des jungen Mannes, die er wegen „einer besseren Partie“ verlassen hatte.

Anlässlich 20 Jahre Mathias-Schmid-Museum in Ischgl hat Museumsleiter Erwin Cimarolli für Freitag, 12. April, einen öffentlich zugänglichen Experten-Workshop im Seiblishof vorbereitet. Motto: „Der Tiroler Maler Mathias Schmid zwischen Heimatkunst und populärer Kultur“.

Zur Zielsetzung der Fachtagung sagt Cimarolli: „Das Schaffen Schmids soll in einem größeren Zusammenhang der Kunst- und Sozialgeschichte des späten 19. Jahrhunderts neu bewertet werden.“ Schmid pflegte, so Cimarolli, „einen Malstil, der sich durch Volkstümlichkeit auszeichnete und das Leben der Tiroler Bevölkerung nach damaligem Ermessen realistisch ins Bild setzte“.

Landtagsvizepräsident Ton­i Mattle eröffnet den Workshop. Anschließend referieren neun Experten, darunter Peter Scholz aus Innsbruck, zum Thema „Frauenbilder bei Mathias Schmid und Franz Defregger“. (hwe)