Letztes Update am Di, 16.04.2019 15:56

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Notre-Dame in Flammen

Nach Brand von Notre-Dame: Gerettete und zerstörte Kunstschätze

Die Feuerwehrleute konnten zwar einen Großteil der Heiligtümer im Inneren von Notre-Dame retten – doch einige wurden ein Raub der Flammen. Ein Überblick über die zerstörten und geretteten Schätze von Notre-Dame.

Ob die dämonenhaften Figuren aus Stein an der Fassade beschädigt wurden, ist noch unklar.

© AFPOb die dämonenhaften Figuren aus Stein an der Fassade beschädigt wurden, ist noch unklar.



Paris – Die Feuersbrunst in der Pariser Kathedrale Notre-Dame hat neben der weltberühmten Architektur auch Heiligtümer und Kunst aus mehreren Jahrhunderten in Gefahr gebracht. Das Bauwerk und die sakralen Gegenstände hatten zuvor Plünderungen in der Folge der Revolution von 1789 und Krawalle im Jahr 1831 überstanden. Einige fielen nun aber dem verheerenden Feuer zum Opfer.

GERETTETE KUNSTWERKE

Reliquien: In dem gotischen Gotteshaus auf der Pariser Ile de la Cite wurden einzigartige Reliquien aufbewahrt. Darunter befindet sich eine der wichtigsten der katholischen Christenheit: die Dornenkrone, die Jesus der Überlieferung zufolge bei der Kreuzigung trug. Die Dornenkrone hat nach Angaben der Website von Notre-Dame einen Durchmesser von 21 Zentimeter und wird von Goldfäden zusammengehalten.

Die Reliquie wurde nach Angaben des Rektors der Kathedrale aus den Flammen geborgen. Gerettet wurde demnach auch ein Gewand des mittelalterlichen Königs Ludwig IX. Dieser war nach seinem Tod heiliggesprochen worden. Zwei weitere Reliquien vom Kreuzweg Christi befanden sich in Notre-Dame: ein Stück des Kreuzes und ein Nagel.

Eine der wichtigsten Reliquien der Christenheit, die Dornenkrone Jesu, konnte gerettet werden.
Eine der wichtigsten Reliquien der Christenheit, die Dornenkrone Jesu, konnte gerettet werden.
- AFP

Die große Orgel: Die große Orgel ist eine von insgesamt drei Orgeln in Notre-Dame. Sie ist mit ihren fünf Manualen und knapp 8000 Orgelpfeifen das mit Abstand wichtigste Instrument des Gotteshauses. Ihre Ursprünge reichen bis ins 15. Jahrhundert zurück, im 18. Jahrhundert erreichte die Orgel ihren derzeitigen Umfang. Sie überstand die Revolutionswirren unbeschadet, weil auf ihr zeitweilig statt sakraler Musik patriotische Lieder gespielt wurden und dürfte auch den Brand ohne gröbere Schäden überstanden haben.

Die große Orgel mit knapp 8000 Pfeifen mit großem Rosenfenster im Hintergrund.
Die große Orgel mit knapp 8000 Pfeifen mit großem Rosenfenster im Hintergrund.
- AFP

Kupferstatuen: Glück im Unglück hatten 16 Kupferstatuen, die bis vor Kurzem auf dem am Montag eingestürzten Turm standen. Die Darstellungen der zwölf Apostel sowie der vier Evangelisten waren erst am Donnerstag für Restaurierungsarbeiten von dem Turm geholt worden und entgingen so der Zerstörung.

Die zwölf Apostel und vier Evangelisten aus Kupfer waren vor dem Brand für Restaurierungsarbeiten vom Turm geholt worden.
Die zwölf Apostel und vier Evangelisten aus Kupfer waren vor dem Brand für Restaurierungsarbeiten vom Turm geholt worden.
- AFP

Die Glocke: Im Südturm des Gotteshauses hängt dessen größte Glocke. Sie läutete traditionell anlässlich der wichtigsten katholischen Feiertage oder bei außergewöhnlichen Ereignissen. Die 13 Tonnen schwere Glocke wurde vor mehr als 300 Jahren gegossen, Ludwig XIV. gab ihr den Namen Emmanuel.

Mariendarstellungen: 37 Abbilder der Gottesmutter zierten die gotische Kathedrale. Am berühmtesten ist eine Skulptur der Jungfrau mit dem Jesuskind im Altarraum. Sie stammt aus der Mitte des 14. Jahrhunderts. Hinter dem Altar befand sich die monumentale Marinestatue des Bildhauers Nicolas Coustou, die dieser zwischen 1712 und 1728 im Auftrag von König Ludwig XIV. angefertigt hatte. Das Werk zeigt die um ihren tot vom Kreuz geholten Sohn trauernde Gottesmutter. Die großen Gemälde und Skulpturen in der Kathedrale sollen laut ersten Informationen nicht oder kaum beschädigt worden sein.

ZERSTÖRTE KUNSTWERKE

Reliquien: Den Flammen zum Opfer fielen drei Heiligtümer, die in dem Hahn auf dem am Montagabend eingestürzten Spitzturm eingelassen waren: ein Stück der Dornenkrone, eine Reliquie des heiligen Dionysius und eine Reliquie der heiligen Genovefa.

Die große Rosette im Querschiff ist laut aktuellen Aufnahmen nicht zerborsten. Der genaue Zustand ist unklar.
Die große Rosette im Querschiff ist laut aktuellen Aufnahmen nicht zerborsten. Der genaue Zustand ist unklar.
- AFP

Rosenfenster: Das besondere Licht in Notre-Dame war auch den drei bunt verglasten Fenstern in Blütenform – sogenannten Rosetten – zu verdanken. Sie wurden im 13. Jahrhundert geschaffen und mehrfach renoviert. Die beiden größten Rosetten im Norden und Süden der Kirche haben einen Durchmesser von 13 Metern. In den Medaillons sind Propheten, Heilige, Engel und Könige zu sehen. Im Zentrum der drei Rosetten sind Maria, das Jesuskind und Christus auf dem Thron abgebildet. Einige der großen Fenster sind aufgrund der Hitze geborsten, nähere Informationen gibt es dazu bisher nicht. Die Berichte dazu gehen auseinander: Das Nordfenster soll unbeeinträchtigt sein, der Zustand der Rosetten im Süden und Westen ist unklar.

Das Rosenfenster im Süden von Notre-Dame.
Das Rosenfenster im Süden von Notre-Dame.
- AFP

NOCH NICHT KLAR

Steinerne Wasserspeier: Berühmt für Notre-Dame sind die steinernen Wasserspeier, die wie Dämonen aussehen, an der Fassade sowie die Chimären auf den eckigen Türmen der Kathedrale. Ob und wie sehr die grotesken Fantasiefiguren beschädigt wurden, ist noch unklar. (APA/TT.com)