Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 21.04.2019


Kunst

Kramsacher Totentanz wächst

Das Kunstwerk von Markus Thurner am Eingang des Museumsfriedhofs wird um 20 Meter erweitert – die Texte liefert der deutsche Kabarettist Wilfried Schmickler.

Die zwei geistigen Väter des Totentanzes: Wilfried Schmickler (l.) und Markus Thurner.

© thurnerDie zwei geistigen Väter des Totentanzes: Wilfried Schmickler (l.) und Markus Thurner.



Von Peter Hörhager

Kramsach – „Es gibt keinen gerechten Krieg und keinen ungerechten Krieg, es gibt nur Krieg oder Frieden!“ Dieses Zitat beweist einmal mehr, dass Kabarettisten nicht (nur) „lustig“ sind. Es stammt nämlich von Wilfried Schmickler. Der Deutsche ist seit 1992 ständiger Mitwirkender der WDR-Kabarettsendung „Mitternachtsspitzen“, wurde unter anderem mit dem Deutschen Kabarettpreis, mit dem renommierten Deutschen Kleinkunstpreis und im Rahmen des Prix Pantheo­n mit dem Sonderpreis „Reif & Bekloppt“ ausgezeichnet. Auch der „Salzburger Stier“ ziert seine Wohnung. Und auch in Tirol hat er sich verewigt: beim 20 Meter langen Totentanz vor dem Museumsfriedhof Kramsach. Gestaltet bzw. entworfen wurde das in der Sagzahnschmiede Kramsach gefertigte Skulpturenband vom Künstler Markus Thurner, von Wilfried Schmickler stammen die Texte. „Und alles, womit ihr das Leben auf Erden verdorben habt, wird euer eigenes Verderben sein“, „Vertreiber werden vertrieben von den Vertriebenen, die Verfolger werden verfolgt von den Verfolgern, die Peiniger werden gepeinigt von den Gepeinigten“, „Ich – einer – meiner – mir – mich – und jeder nur für sich“ – das sind einige Kostproben der Textpassagen, mit denen die Allegorien Thurners unterlegt sind.

Nun hat der Kabarettist das Werk besucht, begutachtet und war begeistert. „Er hat eine Gänsehaut bekommen, als er in der Nacht vor dem Totentanz stand“, berichtet Markus Thurner. Der Besuch von Wilfried Schmickler hatte seinen Grund. „Wir werden gemeinsam den Totentanz um 20 Meter erweitern und das Them­a rund um die Maßlosigkeit und die Ängste der Gesellschaft zuspitzen“, verrät Markus Thurner. Nachsatz: „Es ist dann sicherlich der flächenmäßig größte Totentanz überhaupt.“ Die Fertigstellung ist – terminlich passend – für Allerheilige­n geplant.

Das Thema des Kramsache­r Totentanzes wird beim Totentanzkongres­s am 3. Mai in Metnitz künstlerisch und theologisch vorgestellt und erörtert. Für eine spektakuläre Aktion wird erst der Termin festgelegt: Die Schauspiele Kauns führen ein Totentanztheate­r auf, als Kulisse dient Thurners Totentanz.

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