Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 03.05.2019


Kunst

Sektionen einer inneren Natur

Wiederbegegnung mit dem wunderbaren Zeichner Gernot Baur im Schwazer Rabalderhaus.

Titellose Zeichnung von Gernot Baur, entstanden 2016.<span class="TT11_Fotohinweis">Foto: Baur </span>

© Titellose Zeichnung von Gernot Baur, entstanden 2016.Foto: Baur



Von Edith Schlocker

Schwaz – Eine Personale von Gernot Baur war längst überfällig. Liegt die letzte Ausstellung des 72-jährigen Tiroler Zeichners, der seit 1983 in der südlichen Steiermark lebt, doch acht Jahre zurück. In denen der Weiler-Schüler seine fast manischen Spurensuchen in der Natur unübersehbar weiterentwickelt hat.

Dieses Tun sei für ihn nach wie vor höchst spannend, sagt Gernot Baur, indem er nun die Rundform als Metapher für die philosophische Dimension seines Handelns zum Teil seiner Bildfindungen macht. Ausgebreitet auf kleinen oder mittelgroßen Blättern in einer bisweilen fast mustrig anmutenden, kein Vorne noch Hinten, Unten oder Oben kennenden Kleinteiligkeit. Zelebriert als grafisch wunderbar differenziertes Gespinst, das partiell ganz licht, dann wieder verdichtet bis das Detail auslöschend verknäuelt daherkommt. Bisweilen eingebunden in ein strenges Koordinatensystem.

Wobei offensichtlich ist, dass trotz aller Spielarten die Natur das Lebensthema Gernot Baurs ist. Indem er sie vor seinem geistigen Auge unter ein Mikroskop legt, deren Strukturen seziert, ihre inneren Naturen, sozusagen ihre DNA freilegt. Das Ergebnis sind letztlich abstrakte Konstrukte, fast so etwas wie Röntgenbilder des Organischen.

Gerade in einer Zeit, in der die Natur immer mehr verdrängt bzw. bedrängt wird, scheint Baurs Sehnsucht nach dieser immer drängender zu werden. Wobei es ihm wichtig ist, das Wuchernde zu zügeln, in klare Bahnen zu lenken, ohne ein zartes Ausfransen an den Rändern zu verhindern.

Neben hauptsächlich neuen Blättern hat der Künstler in das Rabalderhaus aber auch einen bereits 2006 entstandenen Zyklus gehängt, der unter dem Einfluss Mozart’scher Musik entstanden ist. In den meisten seiner Arbeiten genügt Gernot Baur die „Farbigkeit“, die er dem Graphit zu entlocken weiß. Ganz selten kommen aber doch Farbstifte als zart akzentuierendes Element ins Spiel. Schön!