Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 13.05.2019


Tirol

Horst Rainer schuf riesiges Rostbild für Herbert Pixner

Der 81-jährige Innsbrucker Künstler Horst Rainer schuf für den Südtiroler Musikstar sein bisher größtes Textil-Rost-Kunstwerk: Doch auf dem Weg zum 91-m2-Bühnenbild waren zahlreiche Hürden zu überwinden.

In der „Philharmonie im Gasteig“ in München spielte das „Herbert Pixner Projekt“ erstmals vor dem sieben mal 13 Meter großen Bühnenbild von Horst Rainer.

© Markus JeneweinIn der „Philharmonie im Gasteig“ in München spielte das „Herbert Pixner Projekt“ erstmals vor dem sieben mal 13 Meter großen Bühnenbild von Horst Rainer.



Von Michael Domanig

Innsbruck, Kirchdorf – Er rostet, aber rastet nicht: Der Innsbrucker Künstler Horst Rainer, bekannt für die von ihm entwickelte Technik der „Textil-Rost-Art“, wird heuer 82 Jahre alt. Und er hat vor Kurzem sein bisher wohl aufwändigstes Werk geschaffen – ein 91 m2 (!) großes Bühnenbild für Musikstar Herbert Pixner.

Wie der Kontakt zwischen dem gebürtigen Steirer und dem Südtiroler Instrumentalmagier zustande kam? „Über meinem Atelier ist ein Musikstudio“, erzählt Rainer, der am Weyrer-Areal in Innsbruck-Mühlau lebt und arbeitet. Eines Tages kam Herbert Pixner vorbei – und zeigte sich sofort begeistert von Rainers überbordender Kreativität, die jeden Winkel im Atelier ausfüllt. Pixner kaufte mehrere Werke für Haus und Studio – und besuchte Rainer auf der ART Innsbruck. Dort sah er ein großes Werk mit Nordketten-Motiv – und fragte an, ob Rainer Interesse habe, für ihn ein Tournee-Bühnenbild anzufertigen. „Ich habe so etwas vorher noch nie gemacht“, lacht Rainer, „und werde es auch nie wieder tun, der Aufwand ist einfach zu groß.“

Rainers künstlerische Paradetechnik ist nämlich auch körperlich extrem fordernd: Aus Stahlplatten schneidet er mittels Plasmaschneider Formen aus. Das Ganze wird befeuchtet und mit Segeltuch bedeckt, das Rainer auf diese Weise „berosten“ lässt. „Nach 14 Tagen ist mein Freund Rost meist so weit“, erklärt er.

Diesmal hantierte der Künstler mit nicht weniger als 91 Blechplatten, jede 1 m2 groß – was ihn vor ein Problem stellte: „Ich fand in Innsbruck nirgends eine ausreichend große säulenfreie Halle.“ In seiner Verzweiflung wandte er sich an seinen Sohn Rainer Rainer, der ein Sportfachgeschäft in Waidring betreibt, „und erklärte ihm, dass ich einen tollen Auftrag habe, ihn aber nicht ausführen kann“. Der Sohn stellte den Kontakt zur Firma Steinbacher in Erpfendorf her. Diese machte es dem dankbaren Künstler – der 25 Jahre lang in Erpfendorf gelebt und dort einen Skulpturenpark betrieben hatte – möglich, auf dem Firmengelände zu werken.

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Also bezog Rainer ein Hotelzimmer im Unterland und arbeitete drei Monate lang, zehn bis zwölf Stunden täglich. „Abends bin ich todmüde ins Bett gefallen.“ Im Prozess hatte er mit allerlei Widrigkeiten zu kämpfen – verstand es aber, sie mit unerschütterlichem kreativem Optimismus ins Positive zu wenden: Heftige Regenfälle, die die Formen verwischten, wurden einfach zu Mitgestaltern des Kunstwerks. Und dass der 81-Jährige dauernd Leitern hinauf- und hinuntersteigen musste, um einen Überblick über das riesenhafte Kunstwerk zu behalten, sei gut für die schmerzenden Gelenke und den Rücken gewesen, meint er.

Ins Werk fanden vielfältige Motive wie Bergketten, der Mond – samt Spiegelung in einem Bergsee – oder eine mächtige Mauer Eingang, alles surreal überhöht.

Die „berosteten“ Tücher mussten am Ende – um auf der Bühne verwendet werden zu können – noch feuerfest eingelassen und mit Klettverschluss zum sieben mal 13 Meter großen Bühnenbild zusammengefügt werden. Beim Konzert des „Herbert Pixner Projekts“ in der Münchner Philharmonie im Gasteig feierte es am 1. Mai glanzvolle Premiere – einen Monat verspätet, dafür aber mit einer ganz besonderen Entstehungsgeschichte versehen.

Die Übergabe des Mammutwerks erfolgte auf dem Gelände der Firma Steinbacher in Erpfendorf, wo Rainer drei Monate lang unermüdlich gearbeitet hatte: v. l. Steinbacher-Geschäftsführer Roland Hebbel, Horst Rainer, Herbert Pixner und Rainer Rainer.
Die Übergabe des Mammutwerks erfolgte auf dem Gelände der Firma Steinbacher in Erpfendorf, wo Rainer drei Monate lang unermüdlich gearbeitet hatte: v. l. Steinbacher-Geschäftsführer Roland Hebbel, Horst Rainer, Herbert Pixner und Rainer Rainer.
- Mariacher