Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 14.05.2019


Innsbruck

Kunstbrücke wird abgebrochen

Mit einer versöhnlichen Schau zu Sabine Groschup wird die RLB-Kunstbrücke begraben. Wie es weitergeht, ist noch nicht klar.

Gedichte aus dem Zufallsgenerator: Groschups Serie „213 Taschentücher der Liebe“ ist bis 7. Juni in der RLB-Kunstbrücke zu sehen.

© Sabine GroschupGedichte aus dem Zufallsgenerator: Groschups Serie „213 Taschentücher der Liebe“ ist bis 7. Juni in der RLB-Kunstbrücke zu sehen.



Innsbruck – Nach 20 Jahren RLB-Kunstbrücke – das Jubiläum wurde erst im November gefeiert – ist die erste Ausstellung 2019 auch schon die letzte. Für immer. „Zum vorerst letzten Mal in dieser Konstellation“ beging RLB-Vorstandsvorsitzender Johannes Ortner die gestrige Eröffnung. Was heißt: Die Kunstbrücke wird es in dieser Form nicht mehr geben. Es stehen Umbauarbeiten am Standort Adamgasse an.

Aber das Ende der Kunstbrücke sei nicht gleich das Ende der Kunstinitiative der Landesbank, schickte Ortner voraus. Bevor er zur Künstlerin der letzten Ausstellung in der Kunstbrücke wechselte, der Innsbruckerin Sabine Groschup. Mit der aktuellen Schau widmet Kuratorin Silvia Höller ihr eine Soloshow: In „Auf_Wühlend_Fühlend“ wird u. a. Groschups neuer Animationsfilm „Lieb Dich“ gezeigt. Und in einer Installation auch die Entstehung des Projekts: 2889 auf Kuverts gezeichnete Einzelbilder, die zusammen vier Minuten Film ergeben, sind auf 25 Metern Wand angebracht.

Auf der gegenüberliegenden Seite des Raums zeigt Höller Groschups noch nicht abgeschlossene Werkserie „213 Taschentücher der Liebe“, in der die Künstlerin Stofftaschentücher unterschiedlicher Provenienz mit zarten Liebeschwüren bestickt. Entschlüpft sind diese nicht etwa dem liebestrunkenen Kopf der Künstlerin, sondern einer kombinatorischen Drehscheibe mit unterschiedlichen Motiven und Fragen; die Vorlage dafür entwarf Philosoph Ramon Llull im 13. Jahrhundert. Gedichte werden wie am Laufband erstellt. Algorithmen und künstliche Intelligenz nimmt Groschup in diesem Verfahren vorweg.

Zusammengehalten werden beide Werk-Korpusse vom Thema Liebe. Sowohl der Liebesbrief aus dem Animationsfilm als auch das Stofftaschentuch wird als Objekt vergangener Zeiten reaktiviert – das gibt dem Thema eine gewisse Zeitlosigkeit, die die Werke nicht ins Kitschige abdriften lässt.

Bis Juni kann sich der Besucher von der versöhnlichen Schau verzaubern lassen, dann ist die Kunstbrücke offiziell Geschichte. Am 17. Juni sollen die Umbaupläne vorgestellt werden. Wie und in welcher Form die RLB-Kunstinitiative weitergehen soll, weiß man in der Landesbank noch nicht. Auch nicht, ob der RLB-Kunstpreis, der 2020 wieder anstünde, den Umbau überleben wird. Erst Ende 2019 werde besprochen, ob es für diese Initiative ein Happy End geben wird. (bunt)