Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 15.05.2019


Bezirk Imst

Nassereith kauft Kulturgut zu einem Schnäppchenpreis

Eine einzigartige Falbesoner-Loammandlkrippe stellt Galerist Hosp um 15.000 Euro zur Verfügung. Die Gemeinde kauft sie nun an.

Das Schätzgutachten für die 100-teilige Falbesoner-Krippe samt originalem Krippenberg beläuft sich auf 35.000 Euro. Die Gemeinde Nassereith bekam sie um günstige 15.000 Euro angeboten.

© HospDas Schätzgutachten für die 100-teilige Falbesoner-Krippe samt originalem Krippenberg beläuft sich auf 35.000 Euro. Die Gemeinde Nassereith bekam sie um günstige 15.000 Euro angeboten.



Von Alexander Paschinger

Nassereith – Die Fernpassgemeinde Nassereith pflegt viele Traditionen. Da steht an erster Stelle das Schellerlaufen, aber auch die lange Tradition als Bergbaugemeinde, eine 300-jährige Geschichte der Musikkapelle und die eigene, ganz besondere Krippenbautechnik gehören dazu. Denn Nassereith ist bekannt für die so genannten Loammandln, aus Ton geformte Krippenfiguren. Zur Meisterschaft wurde diese Nassereither Eigenheit von den Bildhauern Martin Falbesoner (1728–1815) sowie dessen Sohn Josef Falbesoner (1767–1848) gebracht. Und eben eine solche Krippe hat nun die Gemeinde für den Krippenbauverein unter Obmann Robert Jordan angekauft. Sie wird das Prunkstück des Krippenmuseums, das noch heuer – zumindest inoffiziell – im alten Fögerhaus eingerichtet werden soll.

„Da mussten wir zuschlagen“, sagt Bürgermeister Herbert Kröll. Die Falbesoner-Krippe gehört Galerist Dietmar Hosp – Krippenchef Jordan hat schon seit Jahren ein Auge auf diese Weihnachtskrippe mit 100 Figuren und originalem Krippenberg geworfen. „Ich wollte sie als Leihgabe“, so Jordan. Hosp wollte sie aber nicht verleihen, sondern verkaufen. Ein Schätzgutachten aus dem Jahr 2015 spricht von einem Marktwert von 35.000 Euro. Doch auch ein günstigeres Angebot samt Unterstützung der Landesgedächtnisstiftung war für den Krippenverein „nicht zu stemmen“.

Nun sprang die Gemeinde Nassereith in die Bresche: „Wir bekommen die Krippe um 15.000 Euro, wobei wir 10.000 Euro von der Landesgedächtnisstiftung erhalten“, sagt Dorfchef Herbert Kröll. Womit nur noch „5000 Euro von der Gemeinde zu bezahlen sind – und das ist ja auch ein Kulturgut“, bestätigt der oppositionelle Gemeindevorstand Martin Sterzinger die einhellige Meinung und den einstimmigen Beschluss zum Erwerb im Nassereither Gemeindeparlament.

„Es freut mich besonders, dass sich die Gemeinde auch für den Ankauf eines solchen Kulturschatzes einsetzt“, meint dazu Krippenvereins­obmann Jordan. Die Krippe wird im Schätzgutachten „aufgrund ihrer Komplettheit und des ausgezeichneten Zustandes“ als „Seltenheit“ bezeichnet. Im einschlägigen Kunsthandel bestehe „großes Interesse an Falbesoner-Krippen“, die „hohes Ansehen“ wegen „der künstlerischen und technischen Meisterschaft“ genießen. Und als solches bekomme die Krippe im derzeit entstehenden Krippenmuseum beim Haus der Musik einen besonderen Platz. „Wir haben zwar auch eine zweite Loammandl-Krippe aus dieser Zeit“, sagt Jordan, diese sei allerdings nicht direkt den beiden Falbesoners zuordenbar.

Wann dieses Museum im ersten Stock des „alten Fögerhauses“ der Öffentlichkeit zugänglich ist, steht noch nicht fest. Im Halbstock darunter ist nämlich auch das Bergbaumuseum in Entstehung.