Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 24.05.2019


Ausstellung

Auf Augenhöhe mit Kaiser Maximilian I.

Die Hofburg zeigt eine abwechslungsreiche, multimedial gelungene Ausstellung über das Leben und Wirken von Kaiser Maximilian I.

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© Foto TT/Rudy De Moor



Von Gerlinde Tamerl

Innsbruck – Um in die heute feierlich eröffnete Ausstellung „Maximilian I. – Aufbruch in die Neuzeit“ in der Hofburg zu gelangen, muss man zuerst ein überdimensionales Kanonenrohr durchqueren. Im Inneren des finsteren Tunnels entdeckt man einen Ausspruch des Kaisers, dessen Todestages heuer zum 500. Mal gedacht wird. Er lautet: „Jetzt am Ende meines Lebens muss ich erkennen, dass ich mit meinen 27 Kriegen mehr dem Teufel gedient habe als dem lieben Gott.“ Hat Maximilian seine vielen Kriege, die er führte, etwa doch bereut? Gefahren soll er jedenfalls nicht gescheut haben, erklärt Kuratorin Monika Frenzel der TT und ergänzt schmunzelnd, dass Kaiser Maximilian I. sich sehr gerne als Held feiern ließ.

Obwohl Maximilian I. ein Reiseherrscher war, liebte er es, in Tirol zur Ruhe zu kommen. Kaum hat man als Besucher das Kanonenrohr durchquert, wird man in Maximilians behagliche Stube und gleichsam mitten in sein Leben katapultiert. Die gemütliche Kemenate wurde jener von Schloss Tratzberg nachempfunden, aber Maximilian lebte selbstverständlich auch in der Hofburg, nur sind diese Räumlichkeiten in ihrer ursprünglichen Form nicht mehr erhalten. Trotzdem gewähren diese Stube und weitere 21 Räume viele Einblicke in die Lebenswelt Maximilians I. Seine Vorliebe für die Jagd ist in Form von Trophäen an der Wand zu sehen. Er besaß auch Haustiere: Singvögel in Käfigen. Zunächst fällt der Blick auf ein Porträt Maximilians I., und für einen kurzen Moment ist man enttäuscht, dass es sich nur um eine Kopie des berühmten Gemäldes von Albrecht Dürer handelt. Abgesehen von diesem Wermutstropfen wird aber auf ca. 800 Quadratmetern eine sehenswerte und interaktive Ausstellung präsentiert, die das Leben des Kaisers von der Wiege bis zur Bahre empathisch nachzeichnet. Die Schau zeigt ca. 90 Exponate, darunter auch die prunkvollen Collanen des Ordens vom Goldenen Vlies oder das Porträt der Margareta von York, eine Leihgabe des Louvre. Außerdem lädt die Ausstellung zum Verweilen mit der ganzen Familie ein, denn ein faszinierender 3D-Film visualisiert Innsbruck, u. a. auch die Hofburg zur Zeit Maximilians I. Kunstvoll inszeniert ist eine Replik des Brautschmucks von Maximilians zweiter Frau Bianca Maria Sforza.

1,8 Millionen Euro kostete die Schau, erklärt Markus Wimmer von der Burghauptmannschaft bei der gestrigen Pressekonferenz und präsentiert auch stolz den lesenswerten Katalog. Wimmer berichtet außerdem, dass er gemeinsam mit dem Künstler Rudi Wach in Mailand dem Guss einer 2,13 m großen Bronzefigur Maximilians I. beiwohnte, die ab etwa 20. Juni in der Ausstellung zu sehen sein wird und nach den gleichen historischen Methoden gefertigt wurde wie jene einzigartigen Figuren in der Hofkirche.

Vom letzten Raum der Ausstellung gelangt man auf die Empore der Hofkirche und erhält so einen hervorragenden Blick auf das Grabmal Maximilians. Beim Hinausgehen wird man vom Licht der Gegenwart regelrecht geblendet, und es fühlt sich beinahe so an, als hätte man dem Kaiser wahrhaftig einen Besuch im Tirol des ausgehenden Mittelalters abgestattet.