Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 25.05.2019


Kunst

Geistig aufgeladene Augenschmäuse im Museum der Völker in Schwaz

Mit der Neuaufstellung des Asiensaals hat der inhaltliche Umbau des Schwazer Museums der Völker einen großen Schritt in jene Richtung gemacht, in der Lisa Noggler-Gürtler „ihr“ Haus positionieren möchte.

Lisa Noggler-Gürtler, flankiert von einer Frau und einem Mann, die ursprünglich in einem burmesischen Tempel gesessen sind.

© WildauerLisa Noggler-Gürtler, flankiert von einer Frau und einem Mann, die ursprünglich in einem burmesischen Tempel gesessen sind.



Von Edith Schlocker

Schwaz – Lisa Noggler-Gürtler, die nach dem Rückzug von Gert Chesi, dem Gründer und Leiter des Museums der Völker, dieses leitet, möchte das Haus in eines verwandeln, das die Besucher nicht nur durch seine einzigartigen Objekte archaischer außereuropäischer Kulturen zum Staunen, sondern auch zum Nachdenken bringt. Zum Begreifen der philosophischen bzw. geistigen Strukturen, die den Artefakten zugrunde liegen, wobei Noggler-Gürtler der Vergleich der Kulturen wichtig ist, das Aufzeigen erstaunlicher inhaltlicher wie formaler Parallelen, die sich da auftun, nicht zuletzt zu unserer christlich geprägten. Um auf diese Weise das Museum der Völker Stück für Stück in einen Ort der spirituellen Auseinandersetzung zu verwandeln, in deren Mittelpunkt der Mensch steht.

Das Entrée dazu ist einladend. Lädt neuerdings doch ein pompöser, mit (Kunst-)Leopardenfell bezogener und einem riesigen geschnitzten Leopardenkopf bestückter Thron eines Voodoo-Priesters zum Niedersitzen ein, um vielleicht in der gut bestückten musealen Bibliothek zu schmökern. Neben einem großen hölzernen Schiff, dessen Passagiere rund 50 schrill bunte Voodoo-Götter sind.

Das Schiff wurde von Studenten des Studio2/Institut für Gestaltung der Innsbrucker Architekturfakultät gebaut genauso wie eine Reihe von Objekten im komplett neu inszenierten Asiensaal. Ihre Idee war es auch, den rund 300 Quadratmeter großen Raum durch von der Decke abgehängte Bahnen aus weißem Japanpapier fabelhaft durchlässig zu strukturieren.

Buddhas Handhaltungen, von Studenten des Studio 2 nachgeformt.
Buddhas Handhaltungen, von Studenten des Studio 2 nachgeformt.
- wildauer

Um in die „zwischen Himmel und Erde“ angesiedelten buddhistischen bzw. hinduistischen Geisteswelten zu entführen. Bestückt mit exquisiten hauseigenen Objekten, die zum größten Teil schon lange nicht mehr zu sehen waren. Etwa ein riesiger Fußabdruck Buddhas, in den unzählige Symbole eingeschrieben sind. Oder bunt gefasste Reliefs burmesischer Traumbilder, die fast wie Orakel daherkommen. Flankiert von Lotosblüten tragenden, lebensgroßen Wächterengeln, die in ihrem Angenagt-Sein vom Zahn der Zeit komplett aus der Welt gefallen zu sein scheinen.

Dass der Klang in sämtlichen Religionen eine zentrale Rolle spielt, vermittelt eine von Glocken, Trommeln und Gongs umstellte Hörstation. Um Spielarten von Meditation geht es in einer anderen, für die die Architekturstudenten einen Lichtkubus gebaut haben, den Ausstellungsbesucher dazu einladend, sich für ein Weilchen ganz auf sich selbst zu besinnen. In einem Eck des Raumes sitzen jede Menge Buddhas, deren jeweils Unterschiedliches bedeutende Handhaltungen als weißes Relief nachgebaut ist.

Zum 80. Geburtstag Gert Chesis im kommenden Jahr widmet das Museum seinem Gründer eine große Personale. Chesis zahllose Filme sind permanent im Museum der Völker zu sehen und zu kaufen, auch seine zwei jüngsten, in denen er einen zunehmend kritischen Blick auf Afrika wirft.




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