Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 06.06.2019


Kunst

Vermutliche viele Fälschungen im Umlauf: Hände weg von Kunstschnäppchen

Ein Imster hat bei einem Oberländer Galeristen sieben gefälschte „Weilers“ und „Diesners“ gekauft. Insider vermuten, dass es sich dabei nur um die Spitze eines riesigen Eisbergs handeln dürfte.

Alfons Walde (1891–1958) ist nicht nur der am höchsten bezahlte, sondern auch nach wie vor der mit großem Abstand am meisten gefälschte Tiroler Maler. Im Bild der von ihm 1927 gemalte „Bauernsonntag“, unten dessen sehr plumpe Fälschung.

© Alfons Walde, Hrsg. G. AmmannAlfons Walde (1891–1958) ist nicht nur der am höchsten bezahlte, sondern auch nach wie vor der mit großem Abstand am meisten gefälschte Tiroler Maler. Im Bild der von ihm 1927 gemalte „Bauernsonntag“, unten dessen sehr plumpe Fälschung.



Von Edith Schlocker

Innsbruck – Vor einigen Tagen bekam Dieter Tausch den Anruf eines Oberländers, mit der Bitte, bei ihm vorbeikommen zu dürfen, er wolle ihm etwas zeigen. Was der Innsbrucker Antiquar und Galerist kurz darauf im Kofferraum eines Autos mit Imster Kennzeichen zu sehen bekam, waren sieben Gemälde, die so taten, als wären sie von Max Weiler bzw. Gerhild Diesner gemalt. Dass es sich dabei allerdings um plumpe Fälschungen handelt, war Tausch auf einen ersten Blick klar, genauso wie den zwei weiteren Galeristinnen bzw. einem Kunstsachverständigen (die Namen sind der Redaktion bekannt), alle drei gerichtlich beeidigte Sachverständige für zeitgenössische Kunst, denen der Imster die Bilder ebenfalls vorgelegt hat.

Die plumpe Fälschung.
Die plumpe Fälschung.
- Privatarchiv Gschnitzer-Konzert

Laut Dieter Tausch hat dieser die Bilder bei einem Oberländer Galeristen gekauft. Dem er offensichtlich blind vertraut und den er auch einer Reihe von Verwandten und gut Bekannten als höchst seriös weiterempfohlen hat. Das Vertrauen war so groß, dass er die vermeintlichen Weiler- und Diesner-Bilder gekauft hat, ohne je Gutachten für die Gemälde zu Gesicht zu bekommen. Welche Summen da geflossen sind, ist nicht bekannt. Sie dürften allerdings angesichts des Marktwerts von echten „Diesners“ und „Weilers“ beträchtlich sein, auch wenn es sich da um vermeintliche Schnäppchen gehandelt haben dürfte.

Bei den sieben Gemälden scheint es sich allerdings nur um die Spitze eines Eisbergs handeln, vermutet eine der Galeristinnen. Und auch Arnold Albrecht, der in seiner Zeit als Polizeibeamter viel mit Kunstfälschungen zu tun gehabt hat, bestätigt, davon gehört zu haben, dass zahllose gutgläubige Käufer dem Oberländer Galeristen schon seit Langem in die Falle tappen.

Wobei die Galeristin und gerichtlich beeidigte Sachverständige für zeitgenössische Kunst, Stefanie Moser-Maier, den Geschädigten rät, die Kunstkäufe sofort rückabzuwickeln. Hafte doch jeder Kunsthändler für die Echtheit seiner „Ware“. Andernfalls ist eine Anzeige bei der Polizei der logische nächste Schritt. Natürlich sofern die Kunstkäufe lege artis zustande gekommen sind. Wobei viele dieser dubiosen Geschäfte auch aus Scham darüber, einer Fälschung aufgesessen zu sein, nicht zur Anzeige gebracht werden. Nicht verständlich ist allerdings das Faktum, dass selbst gerichtlich beeidigte Sachverständige nicht dazu verpflichtet sind, der Polizei unverzüglich zu melden, wenn sie mit Fälschungen konfrontiert werden.

Die Konfrontation mit gefakten Kunstwerken ist fast das tägliche Brot von Galeristen. Und selbst sie sind bisweilen nicht davor gefeit, sich täuschen zu lassen. Sofern die Bilder meisterhaft gefälscht sind, was im vorliegenden Fall allerdings absolut nicht der Fall war. Besonders die Weilers wären ein „reines Geschmiere“ gewesen, so Dieter Tausch.

Die Versuchung, die Bilder der Innsbrucker Malerin und Grafikerin Gerhild Diesner (1915–1995), deren Arbeiten in wichtigen Museen und Sammlungen, u. a. in der renommierten Wiener Sammlung Leopold, hängen, zu fälschen, scheint angesichts der scheinbaren Plakativität ihrer Handschrift verlockend zu sein. Und auch falsche „Weilers“ tauchen immer wieder auf. Für den Kunstkenner sind aber auch hier die Echtheitskriterien unübersehbar. Der mit großem Abstand am meisten gefälschte Tiroler Künstler ist allerdings nach wie vor Alfons Walde.