Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 15.06.2019


Innsbruck-Land

Ausstellung als Hechtsprung in die Geschichte der Telfer Bäder

Moralische Kontroversen, kühne Pläne – und ein roter Elefant: Die Ausstellung „Badezeit“ im Telfer Noaflhaus gibt Einblick in 90 Jahre Badegeschichte(n).

Eine andere (Wasser-)Welt: So sah das erste Telfer Schwimmbad am Eröffnungstag, dem 14. Juli 1929, aus.

© Fotoarchiv der GemeindechronikEine andere (Wasser-)Welt: So sah das erste Telfer Schwimmbad am Eröffnungstag, dem 14. Juli 1929, aus.



Telfs – In diese Ausstellung kann man buchstäblich eintauchen: Die Schau „Badezeit. 90 Jahre Telfer Schwimmbäder“, die am Donnerstagabend im Noaflhaus eröffnet wurde, gewährt vielfältige Einblicke in Bade- und Bädergeschichte(n).

Kuratiert von einem Team um Ruth Haas, Claudia Mark und Anne Potocnik-Paulitsch in Kooperation mit dem Heimatbund Hörtenberg, erzählt die Schau etwa von moralisch-politischen Kontroversen rund um die Eröffnung des ersten Schwimmbades 1929: Damals gab es massive Widerstände konservativ-klerikaler Kreise gegen die „unsittliche“ Durchmischung der Geschlechter in einem „Familienbad“ – eine Kontroverse, die man anhand zeitgenössischer Zeitungsartikel nachvollziehen kann.

Auch Fundstücke aus dem Becken des ersten Telfer Bades sind in der Schau zu bewundern.
Auch Fundstücke aus dem Becken des ersten Telfer Bades sind in der Schau zu bewundern.
- Domanig

Auch sonst ist Spannendes zu erfahren – etwa über Entwürfe des bekannten Innsbrucker Architekten Josef Lackner aus den 60er-Jahren, die eine hydraulisch verschiebbare Dachkonstruktion vorsahen, um das Hallenbad „in Minutenschnelle“ in ein „vollwertiges Freibad“ verwandeln zu können. Diese mögliche architektonische Landmark wurde nie realisiert, das 1972 eröffnete zweite Bad entstand nach Plänen von Othmar Egger. Bevor dieses Bad dem 2017 eröffneten, modernen Nachfolger Platz machte, wurde 2015 das alte Inventar versteigert: Objekte wie ein Sprungsockel oder die legendäre rote Elefantenrutsche sind nun als Exponate auf der Sonnenterrasse des Noaflhauses zu sehen – nebst einem Minibecken für kühle Fußbäder.

Daneben führt die Schau in die Kulturgeschichte des Badens ein – und bietet Kunst mit Telfs- und/oder Bade-Bezug: Die Palette reicht von Walter Gundolfs „Taucher“-Köpfen über Skulpturen von Georg Loewit bis zum Holzschnitt „Das Männerbad“ von Al­brecht Dürer (um 1496), einer Leihgabe aus dem Stift Stams. Auch der sportliche Aspekt des Badens – mit den Erfolgen des Telfer Wassersportvereins – kommt nicht zu kurz. Filmdokumente aus allen Phasen des Bades und eine Tafel, auf der man eigene Schwimmbaderinnerungen eintragen kann, verstärken die emotionale Dimension des Themas.

Öffnungszeiten: bis 31. Oktober, jeweils Do. und Sa. von 9 bis 12 Uhr sowie Fr. von 17 bis 20 Uhr. Die erste Führung findet heute um 11 Uhr statt, weitere Termine unter www.telfs.at/badezeit.html (md)