Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 18.06.2019


Kunst

“bilding“ in Innsbruck: „Weit mehr als Kinderbetreuung“

Ort für Möglichkeitsräume: Das „bilding“ will seiner Vorzeigewirkung auch programmatisch gerecht werden.

3000 junge Kreative nehmen die Aktivitäten des „bilding“ wahr, u. a. in der Sommerakademie.

© bilding3000 junge Kreative nehmen die Aktivitäten des „bilding“ wahr, u. a. in der Sommerakademie.



Innsbruck – Als Vorzeigeprojekt hatte man das „bilding“ schon öfters bezeichnet. Und dank der „Auszeichnung für Neues Bauen“ sowie des ZV-Bauherrenpreises, die das 2014 realisierte Projekt absahnte, bekam die Kunst- und Architekturschule nationale Aufmerksamkeit. Neben der architektonischen Hülle will aber auch das Programm, das dort am Rande des Rapoldiparks seit inzwischen fast fünf Jahren realisiert wird, Schule machen. „Es geht um weit mehr als Kinderbetreuung“, stellt „bilding“-Chefin Monika Abendstein klar. Ganz habe man sich von diesem Stempel noch nicht befreien können.

Dabei sei der kreative Freiraum für Kinder und Jugendliche beim „bilding“ ganz zentral und das beinhalte auch aktives Teilnehmen und nicht nur passives Betreutwerden, erklärt Abendstein. Das lockt junge Kreative: Rund 3000 Vier- bis Neunzehnjährige „versorgt“ die Kunst- und Architekturschule jährlich mit Möglichkeitsräumen, die klarmachen sollen, dass gesellschaftspolitische Prozesse über den Weg der Gestaltung sichtbar gemacht werden können.

Das gelingt im Besonderen über die Zusammenarbeit mit Künstlern. Insgesamt 15 Tiroler Kunstschaffende arbeiten derzeit aktiv mit: Ina Hsu etwa kuratiert das aktuelle Magazing #4, ein Magazin, das von Februar bis Juni diesen Jahres in der Projektwerkstatt „grafik-design“ entstand.

Und die fruchtbringenden Kooperationen sollen weiter ausgebaut werden. Etwa mit der „bilding“-Personale, die mit 1. Juli startet. Damit bekommen die Initiativen im bilding Ausstellungscharakter: Werke, die im Haus entstehen, werden von Künstlerin Carmen Brucic als Schau installiert. Junge Architektur, Malerei, Bildhauerei, aber auch Medienkunst werden hier zusammenfließen.

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Noch in Planung begriffen ist hingegen das „bildingship“, ein Fellowship-Programm, das Künstler und Künstlerinnen zur Arbeit im „bilding“ nach Tirol holen soll. „Im Idealfall könnte man die Initiative in Verbindung mit einer Atelier- und Wohngelegenheit sogar international ausschreiben“, meint Abendstein. An der Finanzierung wird aber noch gebastelt.

Wie immer eigentlich verfügt die „Kulturbildungseinrichtung“ zwar über ein solides von der öffentlichen Hand finanziertes Budget von jährlich rund 100.000 Euro, ohne private Förderer wäre das „bilding“ allerdings in dieser Form nicht realisierbar. „Es ist wichtig, dass das Haus ganzjährig bespielt wird, aktiv ist und in Bewegung bleibt“, betont Abendstein, „dafür steht unsere Architektur“. Das gilt auch für das Programm des „bilding“: etwa „Mobilding“, die fahrende Architekturwerkstatt, wo Teilnehmer 40 temporäre Heimstätten von Geflüchteten besuchten. Gemeinsam wurden Häuser zum Spielen erbaut. Künstler sind dabei vielleicht Ideengeber, aktiv werden die Kinder selbst. (bunt)