Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 19.06.2019


Innsbruck

Milde Darstellung der Heftigkeit

Chronologie eines nur knapp verhinderten Untergangs: Der Kunstraum Innsbruck war dreimal fast tot.

Bei den Events anlässlich „20 Jahre Kunstraum Innsbruck“ 2015 war die Welt zwischen Lothar Tirala und Karin Pernegger noch in Ordnung.

© Thomas Boehm / TTBei den Events anlässlich „20 Jahre Kunstraum Innsbruck“ 2015 war die Welt zwischen Lothar Tirala und Karin Pernegger noch in Ordnung.



Von Edith Schlocker

Innsbruck – Dass im Kunstraum Innsbruck seit dem Sommer des letzten Jahres vieles nicht so lief, wie es laufen sollte, war unübersehbar. Mündend im letztlich doch überraschenden Ausscheiden der langjährigen Geschäftsführerin des Kunstraums, Karin Pernegger, im heurigen Februar. Der – wie in der TT exklusiv berichtet – Mitte August auf einstimmige Empfehlung der aus Bettina Steinbrügge, Sabine Gamper und Martin Gostner bestehenden Jury die Kunsthistorikerin Ivana Marjanovic nachfolgen wird. Sie soll Ende Juni vom ebenfalls neu gewählten Vorstand des Vereins Kunstraum Innsbruck vorgestellt werden.

Die „Geheimnistuerei“ rund um den Kunstraum Innsbruck soll damit ein Ende haben. Das steht jedenfalls in dem der TT zugespielten Protokoll der 23. ordentlichen Generalversammlung des Trägervereins „Kunstraum Innsbruck“ am 5. Juni 2019. In dem zu lesen ist, dass der Kunstraum in den vergangenen Monaten dreimal nur knapp an seinem Untergang vorbeigeschrammt ist. Um letztlich durch das tatkräftige Eingreifen des damaligen Vereinsobmanns Lothar Tirala gerettet zu werden.

Das Protokoll der Generalversammlung dokumentiert die Chronologie der dramatischen Ereignisse. Beginnend mit der Ankündigung Perneggers im vergangenen Juni, statt der vereinbarten Ausstellung eine zweimonatige Sommerpause einzulegen. Wie sich Anfang September herausstellte, war aber auch keine herbstliche Schau vorbereitet. Weil laut Pernegger kein Geld am Konto ist. Der Grund: Wegen fehlender Unterlagen waren die zweite und dritte Subventionsrate der Stadt Innsbruck ausständig. Die laut Sitzungsprotokoll von Tirala „förmlich über Nacht“ aufgetrieben und nachgereicht wurden und innerhalb von drei Tagen war wieder Geld am Kunstraum-Konto. „Im Chaos“ hat Tirala am 21. September 2018 außerdem eine dritte und letzte Mahnung des Bundeskanzleramts gefunden, bis 1. Oktober fehlende Unterlagen nachzureichen. Bei Nicht-Einhaltung dieser Frist hätte Lothar Tirala als Vereinsobmann die Förderung des Bundes für zwei Jahre in der Höhe von 104.000 Euro aus eigener Tasche zurückzahlen müssen.

Doch trotz des Nach­reichens der fehlenden Unterlagen schwebte noch immer ein Damoklesschwert über dem Kunstraum. Ist die Bedingung für den Erhalt von Subventionen sowohl von Stadt, Land wie Bund doch die Durchführung von vier Ausstellungen pro Jahr. Und da trotz der von Tirala aufgetriebenen, Ende September eröffneten Personale von Uwe Lausen noch eine Schau fehlte, hat Tirala im Spätherbst auch die vierte – Norbert Pümpel gewidmete – organisiert und kuratiert.

Als laut Protokoll der Generalversammlung Ende Dezember der Vereinsführung allerdings klar wurde, dass Kari­n Perneggers Planung auch für das Jahr 2019 „äußerst mangelhaft“ ist, trennten sich Kunstraum und Karin Pernegger am 15. Februar 2019 einvernehmlich.

Sehr zum Bedauern von Lothar Tirala, „doch mir geht es einzig und allein darum, dass es mit dem Kunstraum Innsbrucker weitergeht“. Wobei das im Protokoll Dokumentierte eine „milde Darstellung der Heftigkeit“ der Vorkommnisse sei. Karin Pernegger wollte sich zu den Anschuldigungen nicht äußern. Habe sie sich dem Verein „Kunstraum Innsbruck“ gegenüber doch zum Schweigen verpflichtet.




Kommentieren


Schlagworte