Letztes Update am Mi, 19.06.2019 14:11

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Geschichte

Schloss Ambras: Ausstellung über Piraten und Sklaverei im Mittelmeer

Ausstellung „Piraten und Sklaven im Mittelmeer“ in Innsbruck zeigt Auseinandersetzungen auf hoher See und Sklaverei-Geschäftsmodelle im 15. und 16. Jahrhundert.

Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen dabei Piraterie und Sklaverei im 15. und 16. Jahrhundert.

© KHMIm Mittelpunkt der Ausstellung stehen dabei Piraterie und Sklaverei im 15. und 16. Jahrhundert.



Innsbruck – Das Schloss Ambras in Innsbruck widmet sich in einer neuen Ausstellung den „Piraten und Sklaven im Mittelmeer“. Im Mittelpunkt stehen dabei Piraterie und Sklaverei im 15. und 16. Jahrhundert, die sich entlang der Konfliktlinien zwischen dem habsburgischen und dem osmanischen Reich im Mittelmeerraum ereigneten. Eröffnet wird am 20. Juni, zu sehen ist die Schau bis 6. Oktober.

Für die Ausstellung, die von Matthias Pfaffenbichler kuratiert wurde, hat man nicht nur die Universität Innsbruck als Kooperationspartner und Forschungserkenntnisgeber mit an Bord geholt, sondern auch Schüler aus Innsbruck. Letztere präsentieren als eine Art Präambel zur Ausstellung ihre Arbeiten in der Bauernrüstkammer. Gearbeitet wurde bei diesen unter anderem mit filmischen und malerischen Mitteln.

Lösegeld als Wirtschaftsmotor

Nach dem anschließenden Aufstieg in das sogenannte Hochschloss zur eigentlichen Ausstellung bietet der ersten Raum das Setting und damit die zeitliche Einordnung der gezeigten Dokumente, Kunstwerke und Gegenstände an. „Wir beginnen im Jahr 1492, mit der Eroberung von Granada“, sagte Pfaffenbichler und verwies dazu sowohl auf eine Zeittafel als auch auf eine gegenüberliegende Landkarte.

Die auf der Zeittafel vermerkten Konflikte und Auseinandersetzungen werden rasch künstlerisch lebendig. Man lernt etwa die Hauptwidersacher Chair-Ad-Din Barbarossa auf osmanischer und Andrea Doria auf habsburgischer Seite kennen. Außerdem wird deutlich, dass Lösegeldforderungen in Sklaverei-Kontexten in Algier und anderen blühenden Städten ein wichtiger „Wirtschaftsmotor“ waren, wie Pfaffenbichler ausführte.

Ein weiterer Raum widmet sich der Schifffahrt und den Schiffstypen, dargestellt durch Modelle. Wenige Meter weiter erfährt man von historischen Großereignissen, beispielsweise der Eroberung von Tunis oder der Belagerung von Malta. Auch kuriosen Geschäftsmodellen der damaligen Zeit begegnet man, darunter beispielsweise einer Versicherung, die im Falle von Versklavung und damit einhergehenden Lösegeldforderungen wirksam wurde.

Zu guter Letzt wird eine Brücke in die gegenwärtige Populärkultur geschlagen und somit auch der Mittelmeerraum verlassen. So sei es nämlich laut Pfaffenbichler ein Faktum, dass in dieser den „Piraten in der Karibik“ der Vorzug gegeben werde. Dass sowohl Filmemacher als auch Spielzeughersteller diesbezüglich eindeutige Karibik-Präferenzen haben verdeutlichen jedenfalls die letzten Ausstellungs-Meter, wo unter anderem ein Lego-Piratenschiff zu sehen ist. (APA)

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Ausstellung:
20. Juni 2019
bis 6. Oktober 2019