Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 24.06.2019


Kunst

Mahlers Musik zum Anschauen in Innsbruck

Siegfried Antonello Schwendtner zeigt im Kunstgang der Theologie in Innsbruck “Mahler“.

„Mahler“ von Siegfried Antonello Schwendtner.

© schwendtner„Mahler“ von Siegfried Antonello Schwendtner.



Innsbruck – Siegfried Antonello Schwendtner hat schon lange nicht mehr ausgestellt, „dafür viel gearbeitet“, wie der 68-jährige Maler sagt. Um mit seinen neuen Bildern zu überraschen. Kannte man bisher von dem ambitionierten Autodidakten doch hauptsächlich poetisch inszenierte Landschaften, um sich neuerdings von allem Assoziativen im üblichen Sinn zu verabschieden. Indem er nun Musik verbildlicht, im konkreten Fall die von Gustav Mahler. Obwohl sie absolut nicht seine Lieblingsmusik sei, wie Schwendtner sagt.

Es gibt viele Künstler, die sich durch das Hören von Musik inspirieren lassen. Bei Schwendtner ist es aber anders. Geht es ihm doch um den ernsthaften Versuch, die Sprache der Musik ganz konkret in die der Malerei zu übersetzen. Indem er etwa vor dem Malen der 14 gezeigten Bilder Mahlers 6., 7. und 9. Symphonie sowie Fragmente der 10. intensiv in der Form von Skizzen analysiert hat, die durchaus Ähnlichkeiten mit Partituren haben. Es geht da ganz konkret um Flächenaufteilungen, Farben und Empfindungen, um zur Basis der auf mittelgroße Leinwände gemalten Bilder zu werden. Mahlers Musik hört der Künstler während dieser konzentrierten Malakte ganz bewusst nicht, auch wenn die einzelnen Sequenzen exakt der Struktur der jeweiligen Symphonien folgen. Da gibt es sehr expressive, von kräftigen Farbattacken dominierte Bilder genauso wie verspielt burleske oder düster dunkle. Teilweise noch vertieft durch zarte schriftliche Kommentare.

Die Ausstellung von Siegfried Antonello Schwendtner ist die 48. von Bernhard Braun im schönen Kunstgang der Theologischen Fakultät kuratierte und nach 20 Jahren leider die vorletzte. (schlo)