Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 01.07.2019


Osttirol

Drei Künstler kehren zurück

Die Matreier Rainer Bros, Christian Ganzer und Fritz Ruprechter haben in Wien künstlerisch Karriere gemacht. Nun stellen sie gemeinsam in ihrer Heimatgemeinde aus.

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© Peter Unterweger



Von Peter Unterweger

Matrei – In einer Gemeinschaftsausstellung präsentiert die Raiffeisenkasse Matrei zusammen mit dem Kulturreferat der Gemeinde Arbeiten von drei Künstlern, die aus Matrei stammen und nun in Wien leben: Christian Ganzer, Fritz Ruprechter und Rainer Bros. Kunstinteressierte füllten den Kassenraum der Bank bei der Eröffnung. Neben der Neugierde auf das Schaffen der drei Auswanderer konnten auch die familiären Beziehungen der Künstler mit den Fragen „Zu wem gehört denn der? Wo gehört denn der hin?“ geklärt werden.

Die gezeigten Werke sind höchst unterschiedlich. Gemeinsam ist allen drei Künstlern, dass sie in Serien arbeiten und dass mehrere Arbeiten simultan entwickelt werden.

Christan Ganzer, geboren 1973, studierte Bildhauerei an der Universität für Angewandte Kunst in Wien und arbeitete als Assistent beim Künstler Franz West. Heute ist Ganzer Chefkurator des ZOOM Kindermuseums im Museumsquartier Wien. In Matrei ist er mit Objekten und Bildern vertreten.

Der Künstler entwickelt gerne Arbeiten gemeinsam mit Kollegen. Mit Kurt Rudolf gestaltete er die bunten „Klebestreifbilder“, entstanden sind diese auf einer Alm in Matrei. „Schwammelen“ nennt Ganzer liebevoll seine Objekte. Er arbeitet mit billigem Plastik-Klimbim, nachdem es weggeworfen wurde, sammelt es der Künstler und fügt es zu einem neuen Ganzen zusammen. „Ich arbeite immer in Serien“, schildert Christian Ganzer. Von den drei produzierten „Schwammelen“ zeigt er zwei in Matrei. „Die Werke entstehen in der Arbeit, nicht im Denken.“

Dieser Satz trifft auf Christian Ganzer, aber auch auf Fritz Ruprechter zu. Ruprechter, geboren 1950, hat es vom beschaulichen Matrei, wo er eigentlich Gemeindesekretär werden sollte, hinaus in die weite Welt verschlagen. Der Weg seiner künstlerischen Ausbildung führte ihn über Irland und Holland nach Wien. Viel Zeit verbrachte der Kosmopolit vor allem in Ägypten, Paraguay, Brasilien und Japan. Der Einfluss der japanischen Kunst ist in seinen Arbeiten unschwer zu erkennen und seine Ausstellungsliste zeugt davon, dass seine Werke international geschätzt sind.

Ruprechter schafft großformatige Bilder. Voraussetzung dafür ist ein geräumiges Atelier, das er in der niederösterreichischen Gemeinde Maria Lanzendorf hat. Seine Arbeiten sind in zarten Farben gehalten, in eigenwilliger Technik ausgeführt. Ruprechter schneidet, wachst und bügelt seine Bilder.

Rainer Bros Bodenwinkler, geboren 1957, ist im Gegensatz zu seinen Kollegen nicht in den Kunstbetrieb oder in die Kunstorganisation involviert. Er lebt künstlerisch zurückgezogen. „Ich möchte die Menschen durch meine Bilder zu einem genauen Hinschauen veranlassen“, sagt der Künstler. Der Farbauftrag erfolgt in mehreren Schichten. Zuletzt wird eine Tarndecke drübergelegt – in bunten, manchmal knalligen Farben. Sie verschleiert die verdeckten Botschaften, die Bros in seine Arbeiten einbaut. Nicht die erste Ansicht, das Dahinter ist von Bedeutung. Ein Modulsystem erlaubt es dem Künstler, seine Bilder auf großformatige Werke auszuweiten.

Alle drei kommen gerne nach Matrei zurück, um Verwandte, Freunde und Nachbarn zu treffen. „Das werden dann lange Abende“, verrät Bodenwinkler, von einem breiten Lächeln begleitet. „Es geht mir gut, wenn ich hier bin“, fasst Fritz Ruprechter zusammen.

Die Ausstellung läuft noch bis 27. September.