Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 21.07.2019


Kunst

Gerhild Diesner in Schwaz: Farben und Formen gewordene Idyllen

Gerhild Diesner im Schwazer Rabalderhaus: über jeden Fälschungsverdacht erhabene Arbeiten aus fünf Jahrzehnten.

Plakativ von Gerhild Diesner in der Fläche ausgebreitetes „Stillleben mit Äpfeln“ von 1950.

© rabalderhausPlakativ von Gerhild Diesner in der Fläche ausgebreitetes „Stillleben mit Äpfeln“ von 1950.



Von Edith Schlocker

Schwaz – Als stolzem Besitzer einer vermeintlich echten Diesner kann es einem passieren, in einer Ausstellung ein Bild zu sehen, das das eigene zu sein scheint. Welches der beiden das echte ist, ist mehr oder weniger leicht festzustellen, je nachdem, wie gut oder schlecht der Fälscher sein zweifelhaftes Handwerk beherrscht hat.

Die Bilder, die derzeit in der großen Diesner-Ausstellung im Schwazer Rabalderhaus hängen, sind allerdings über jeden Verdacht erhaben. Dafür bürgen allein schon die Leihgeber wie das Tiroler Landesmuseum oder die Innsbrucker Galerie Maier. Mit Schwaz hat Gerhild Diesner, die 1915 in Innsbruck geboren wurde und hier 80 Jahre später auch gestorben ist, zwar nichts zu tun, ihre Kunst zu sehen ist aber immer ein Fest für die Augen.

Die Landschaft und das Stillleben waren lebenslang die zentralen Themen der Ausnahmemalerin. Deren Orientierung an den großen Meistern der Klassischen Moderne wie Van Gogh, Matisse, Gauguin und Cézanne zwar unübersehbar ist, transformiert allerdings in eine unverkennbar authentische Handschrift.

Die von Günther Dankl kuratierte Ausstellung im Rabalderhaus beleuchtet sämtliche Facetten der Diesner’schen Kunst. Angefangen bei einem bezaubernden Selbstbildnis der 31-Jährigen, das ein Versprechen für all das ist, was die Künstlerin in den folgenden Jahrzehnten perfektionieren sollte.

Kräftige Farben und klare, in der Fläche ausgebreitete Formen dominieren Diesners Ölbilder, ein pastelliges Kolorit ihre Aquarelle, grafische Raffinesse ihre Zeichnungen. Ihre privaten irdischen Paradiese ermalte sich die Künstlerin in diesen Bildern, die eine reizvolle Synthese aus Gesehenem und Gefühltem, aus Leben und Traum sind. Wobei mit den Jahren das Reale immer mehr zum bloßen Vorwand für raffinierte Kompositionen, reizvolle Perspektivenwechsel und koloristische Delikatesse wurde.

Unübersehbar von den großen französischen Meistern der Moderne inspiriert: Gerhild Diesners um 1950 gemaltes "Stift Wilten".
Unübersehbar von den großen französischen Meistern der Moderne inspiriert: Gerhild Diesners um 1950 gemaltes "Stift Wilten".
- rabalderhaus