Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 30.07.2019


Kunst

Die Lust am Sammeln, Fischen und Pixeln

„Ansammeln“ ist das Thema der von Simeon Brugger kuratierten sommerlichen Ausstellung in der Innsbrucker Galerie Widauer.

© galerie widauer„Ansammeln“ ist das Thema der von Simeon Brugger kuratierten sommerlichen Ausstellung in der Innsbrucker Galerie Widauer.



Die Arbeiten der sechs Künstler, die die Galerie Widauer in ihrer sommerlichen Ausstellung zusammenspannt, könnten unterschiedlicher kaum sein, um trotzdem in ihrem Wesen vieles gemeinsam zu haben. Geht es doch bei allen um ein Ansammeln in den unterschiedlichsten Spielarten, sei es im Spiel mit Seriellem oder Mustrigem, zufällig Gefundenem oder gezielt Gesuchtem.

Nikolaus Schletterer fischt etwa das Rohmaterial für seine digitalen Bilder aus dem Internet, um sie, indem er sie durch einen raffinierten Prozess artifiziell überlagert, auf eine abstrakte Ebene zu heben. Bei diesem Tun könnten durchaus Fotos dabei sein, die John Miller ins Netz gestellt hat. Und zwar jeden Tag nur eines, das er für seine Serie „Middle of the Day" zwischen zwölf und ein Uhr mittags von völlig banalen Alltagsszenen macht.

Von Matt Mullican ist in der von Simeon Brugger klug kuratierten Schau die Serie „Cosmology — Welterklärer" zu sehen. Bestehend aus alten Postkarten von unterschiedlichsten Orten, die weder miteinander noch mit dem Künstler zu tun haben und trotzdem überall nach denselben Mustern organisiert sind.

Sunah Chois „Skulptur" besteht aus einem innen verspiegelten grünen Behälter, der vollgefüllt ist mit banalen Fundstücken. Absolutes Kontrastprogramm dazu ist der den chinesischen General und Philosophen Sun Tzu Janus darstellenden Kopf, den Oliver Laric auf einen hohen Sockel gestellt hat, ästhetisch perfekt gepuzzelt als janusköpfiges Wesen aus 3D-Prints klassischer bzw. klassizistischer Skulpturen. Geht es um das Thema Ansammeln, darf Thomas Bayrle nicht fehlen. Ist die Vervielfältigung doch sein Prinzip, der Bau von großen aus kleinen Bildern. (schlo)