Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 02.08.2019


Kunst

Als kreativer Mix aus Lust und Qual Gemaltes

Dass Herbert Brandl beim Malen mehr oder weniger an Landschaftliches denkt, führt seine Personale in der Innsbrucker Galerie Thoman vor.

2017 hat Herbert Brandl diese titellose Arbeit in Öl auf eine 120 mal 200 Zentimeter große Leinwand gemalt.

© galerie thoman2017 hat Herbert Brandl diese titellose Arbeit in Öl auf eine 120 mal 200 Zentimeter große Leinwand gemalt.



Von Edith Schlocker

Innsbruck – Von den Bergen kommt Herbert Brandl zwar nicht los, zum Bergmaler im üblichen Sinn ist der inzwischen 60-Jährige gottlob bis heute trotzdem nicht geworden. Dass die Landschaft bzw. der Berg die Quelle der Inspiration des längst mit professoralen Aufgaben betrauten ehemaligen „Jungen Wilden“ ist, ist allerdings unübersehbar. Kombiniert in seiner Innsbrucker Schau allerdings mit einigen Ausritten ins absolut Ungegenständliche sowie mit der in monumentalem Format gemalten Zeichnung des Lucky Luke ins sehr Gegenständliche.

Dass hier viel Ironie mit im Spiel ist, ist offensichtlich. Darüber, ob sich der Künstler da in die Rolle des einsamen, rast- und heimatlosen Helden manövriert, kann nur spekuliert werden. 2017 ist dieses aus dem Rahmen fallende Bild entstanden, im selben Jahr wie die meisten anderen der bei Thoman gezeigten Arbeiten, die – bis auf ein drei Jahre älteres – titellos sind, also keine speziellen Landschaften oder Berge meinen. Sondern das Bergige an sich, zelebriert als Metapher für das Archaische, schwer Bezwingbare, letztlich Menschenfeindliche. Um auf der anderen Seite auch ein Sehnsuchtsort zu sein, gut für Projektionen mentaler Art.

Er erfinde seine Bilder nicht, sagt Herbert Brandl, er finde sie. Letztlich würden sie sich in einem „kreativen Mix aus Lust und Qual“ fast selbst malen und das meist in intensiven Malattacken. Bisweilen sind Fotos Basis dieser Bildfindungen, die unmittelbar mit momentanen Emotionen zu tun haben. Um sich oft selbst von dem überraschen zu lassen, was die malende Hand mit ihm tut. Wobei das Zufällige bei diesem Tun praktisch keine Rolle spielt, dazu ist Brandl trotz aller Emotionalität doch zu kopfgesteuert bzw. zu erfahren, wenn es etwa darum geht, wie die Farbe rinnt bzw. gerinnt.

Zu welcher er spontan beim ersten Pinselstrich eines neuen Bildes greift, hat dagegen sehr viel mit der momentanen Befindlichkeit des Malenden zu tun. In diesen Momenten gehe er ganz bewusst in Opposition zum Konzeptuellen, hat Herbert Brandl einmal gesagt. Um sich gerade in jenen Bildern, in denen absolut nichts Assoziatives mehr erkennbar ist, zu wuchtigen Farbräumen auszuwachsen. Gemalt in vielen Schichten kräftiger Töne, die sich ineinander verschachteln, miteinander spielen und konkurrenzieren, sich mischen oder auslöschen, bisweilen in kleinen Rinnsalen vertrocknen.

Dass Herbert Brandl beim Malen dieser Bilder nicht an reale Berge denkt, sondern an Gebirge, die sich in seiner Seele auftürmen, ist zu vermuten. Im Gegensatz etwa zu der bereits 2014 entstandenen Arbeit „Polinik“ (in den Karnischen Alpen), wo ein schneebedeckter Gipfel sich aus dem Grün des Waldes in einen tiefblauen Himmel türmt. Brandls Handschrift ist auch hier expressiv, allerdings gezähmt durch die landschaftliche Kontur.

In wieder anderen Arbeiten braucht Brandl das Farbige im engeren Sinn nicht, um letztlich farbig zu sein. Im fast grafisch zu nennenden Spiel mit den diversen Qualitäten zwischen Weiß und Schwarz, dem Verhältnis von bemalten und unbemalten Zonen einer Leinwand, wobei hier Brandls Faible für ostasiatische Kalligrafien unübersehbar ist.