Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 03.08.2019


Kunst

Georg Loewit in Hall: Zweifelhafte Idyllen im Visier

Georg Loewit setzt sich mit seinen Bildern und Skulpturen, die er in der Haller Burg Hasegg zeigt, kritisch mit dem Phänomen Massentourismus auseinander.

„Fonteblanda“, 2013 von Georg Loewit in Acryl auf eine 40 mal 60 Zentimeter große Leinwand gemalt.

© schlocker„Fonteblanda“, 2013 von Georg Loewit in Acryl auf eine 40 mal 60 Zentimeter große Leinwand gemalt.



Von Edith Schlocker

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Hall – Gerade in der jetzigen touristischen Hochsaison sind auch unsere Städte und Landschaften voll mit schwitzenden Touristen, die schauen, staunen, fotografieren. Der Hitze wegen sind ihre oft alles andere als vollkommenen Körper halbnackt, „bewaffnet“ mit Rucksäcken, Schwimmreifen, Bierflaschen oder Fotoapparaten. Diese zweifelhaften Idyllen nimmt der Innsbrucker Künstler Georg Loewit kritisch ins Visier, transformiert zu Bildern und Skulpturen, die in ihrer ins Detail verliebten Radikalität letztlich fast wie Karikaturen daherkommen.

Etwa die überlebensgroße Alu-Figur „Kalterer See“, die der 60-Jährige in den Innenhof der Burg Hasegg gestellt hat. Die hyperrealistisch zelebrierte Rückenansicht einer älteren Frau darstellend, deren Körper ebenso schlaff ist wie der Schwimmreif, den sie im Arm hält. Ob sie sich dem Gewässer nähert oder ihm soeben entstiegen ist, bleibt offen – genauso wie ihre Individualität, ist die Figur doch durch einen radikalen vertikalen Schnitt auf ihre Rückseite reduziert. Diese Skulptur ist eine von Loewits „Protagonisten“, die alle nach demselben Muster funktionieren, indem die eigentliche Schauseite zur vagen Silhouette wird, um auf diese Weise zur Projektionsfläche für den Betrachter zu werden.

Um die Frage von Individuum und Masse kreisen aber auch die Bilder, die Georg Loewit in seiner Haller Personale zeigt. Angelegt als raffiniert dekoratives Spiel mit Ausschnitten und Perspektiven, wobei die gern prototypisch stilisierten Figuren reizvoll aus letztlich abstrakten farbigen Flecken vor monochromen Hintergründen zum dekorativ in der Fläche ausgebreiteten Puzzle mutieren.