Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 04.08.2019


Kunst

Künstlerin Katja Duftner in Ladis: Die drei Seiten der Dinge

Künstlerin Katja Duftner wirft ihren Blick hinter die Kulisse einer heilen (Berg-)Welt.

© HauserKünstlerin Katja Duftner wirft ihren Blick hinter die Kulisse einer heilen (Berg-)Welt.



Es ist eine schräge Welt, oder der Befund einer Welt, wie sie leider ist, in welche die in Kiefersfelden lebende Künstlerin Katja Duftner entführt. Wenn sie mittels Tuschzeichnungen, Ölbildern, mit 3D-Stift angelegten Skulpturen und Lichtobjekten das Wesen der Bergwelt und damit die Sinnesart der Älpler untersucht, dann prallen (vermeintliche) Idylle und schonungslose Realität aufeinander. Dann treffen Weiches auf Hartes, Süßes auf Derbes, Schein auf Sein, Brauchtum auf Technik und Fakten auf Mythen. In ihren gesellschaftskritisch angelegten Bergbildern nimmt sich Duftner unter anderem Paul Klees Kippbilder zum Vorbild und erlaubt auf der zweidimensionalen Bildfläche einen Blick in die dritte Dimension, ganz nach dem philosophischen Ansatz, dass jedes Ding drei Seiten hat: Eine, die ich kenne, eine, die du kennst, und eine, die wir beide nicht kennen. Bildtitel wie „Selbst­optimierung", „Wasser ist das neue Öl", „Die Piste" und „Die Schneefabrik" verraten viel über die Konsumgesellschaft, über die von der Wirtschaft beförderte Ausbeutung der Natur, über erzwungenen und selbst auferlegten Leistungsdruck, über mangelnde Selbstreflexion, doch bei Weitem nicht alles. Denn der Teufel steckt bekanntlich im Detail und den lässt Duftner mitunter linkisch und sehr variantenreich aus ihren Werken blicken. Zu sehen sind die Arbeiten im Kulturzentrum Rechelerhaus in Ladis bis 7. September. Montag und Donnerstag von 16 bis 18.30 Uhr oder nach telefonischer Vereinbarung: 05472/2559. (hau)