Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 06.08.2019


Kunst

Kolorierte Tiger, einsame Hunde und Riesenraben

Der Sommer ist in der Galerie Flora traditionell für ihren Namengeber reserviert: heuer für Zeichnungen aus sieben Jahrzehnten.

„Canal Grande und ein Rabe“, 1985 vom erklärten Rabenfreund Paul Flora gezeichnet.

© galerie flora„Canal Grande und ein Rabe“, 1985 vom erklärten Rabenfreund Paul Flora gezeichnet.



Von Edith Schlocker

Innsbruck – Paul Flora ist in Innsbruck zwar alles andere als ein Unbekannter, seine sehr spezielle Kunst, die Welt mit viel Humor zeichnend zu hinterfragen, ist allerdings immer ein Fest. Weshalb sich der Kunstfreund allsommerlich auf die Ausstellung der Galerie Flora freut, die traditionell ihrem Namengeber gewidmet ist.

Wobei die heurige besonders hochkarätig ausschließlich mit originalen Zeichnungen bestückt ist. Entstanden in diversen Phasen des Werks von Paul Flora, der zwar schon sehr früh ganz zu sich gefunden hat, um sich doch immer wieder zu wandeln. Was die präsentierte Auswahl schön vorführt, indem das früheste Blatt der 27-Jährige, das späteste der 83-Jährige vier Jahre vor seinem Tod 2009 gezeichnet hat. Jahre, in denen sich der zeichnerische Duktus immer mehr verdichtet hat, die Blätter immer schwärzer im realen wie übertragenen Sinn wurden. Indem die Striche immer feiner, ihre Verstrickungen allerdings immer dichter, letztlich malerischer wurden. Etwa beim „Paar, den Mond betrachtend“, in dem Flora das Spiel mit diversen Nuancen des Schwarz auf die Spitze treibt, wunderbar poetisch zelebriert rund um einen ganz hellen, kaum verdeckten Mond.

Schwarz war aber auch der Humor des Tiroler Meisterzeichners, der allerdings ein galgenhumoriger war. Besonders dann, wenn Paul Flora seine Landsleute ins Visier nahm, um sie etwa als Wetterscheuchen zu karikieren, oder deren Hausdächer, die eigentlich Berge sind, gefährlich rauchen zu lassen.

Wenn Paul Flora das Leiden an seinen Mitmenschen zu viel wurde, flüchtete er sich ins Skurrile. Um schmucke Soldaten über eine venezianische Piazzetta marschieren oder einen einsamen Hund durch einen Wald streunen zu lassen. Blätter, die stilistisch so anders daherkommen als das Stuhlstillleben der Frühzeit oder seine fünf wunderbar kolorierten Tiger mit Männergesichtern. Für Floras Faible für das Unheimliche stehen zwei Zeichnungen aus den 80er-Jahren, in denen das grausige Geschehen poetisch im Nebel verdämmert.